Gerätebesprechung - Fliegenruten:
ORVIS ZERO GRAVITY 905-4 Mid Flex
(LE7817-51-67)
Nachdem wir seit einigen Wochen viel Positives von ORVIS's neuester Fliegenrutenserie "Zero Gravity" gehört haben, sahen wir einem ersten eigenen Test höchst erwartungsvoll entgegen - stellt doch diese Rutenserie nach eigener Aussage aus dem Hause Orvis die derzeitige Krönung deren 150-jähriger Erfahrung im Rutenbauhandwerk dar. Im April 2006 war es dann soweit: eine "Zero Gravity" begleitete unsere Gruppe für 1 Woche an den irischen Lough Mask - was für ein idealeres Testfeld in der Praxis könnte es überhaupt geben ?
Die "Zero Gravity"-Serie besteht aus 12 Süßwasser- Einhand- Fliegenruten in den Längen 8'6" und 9'0 für die Schnurklassen #4, 5 und 6 sowie aus 8 Süß- und Salzwasser- Einhand- Fliegenruten in der Länge 9'0 für die Schnurklassen #6, 7, 8 und 9. Erhältlich sind die Ruten zwei- und vierteilig. Einige der Modelle sind Jubiläumsmodelle mit besonders edler Ausstattung und manche sind nur 2006 erhältlich (siehe ORVIS Katalog 2006, deutsch).
Unser Testmodell war eine "Zero Gravity ZG 905-4 Mid Flex 6.5" (9' - #5 - 4-tlg.).
Ausstattung und technische Details:
Teilung und Maße:
Vierteilige Fliegenrute, Länge 9' (zusammengesteckt und nachgemessen 275 cm), vier nahezu gleichlange Teile a. 71 cm (Handteil 1 cm länger). Transportlänge im Rutenrohr 75 cm. Ruten-Gewicht: 95 Gramm. Gewicht des Rutenrohres: 470 Gramm.
Ausstattung:
Die "Zero Gravity ZG 905-4 Mid Flex 6.5" besitzt einen schlanken, leichten, glanzlackierten, dunkelweinroten Blank (mit einem leichten Metallic-Touch) aus hochmodulierter Kohlefaser, in Verbindung mit Borfasern und thermoplastikverstärkten Harzen. Die Verbindungen der Rutenteile sind als herausragend passgenaue Überschubverbindungen mit Punktmarkierungen ausgeführt, sie greifen 3,8 bis 4,5 cm ineinander. Die Oberseiten der einzelnen Teile wurden gegen eindringenden Schmutz, Nässe etc. abgedichtet.
Beringung: Handteil mit einer feststehenden Fliegeneinhängeöse, 2.Teil mit einem Dreibeinring mit Aluminiumoxid-Einlage und einem Schlangenring, 3.Teil mit drei abgestuften Schlangenringen, Spitzenteil mit fünf abgestuften Schlangen- und dem Spitzenring. Die Ringdurchmesser sind der Klasse angepasst, alle Ringe sind in Hartchrom ausgeführt. In der Materialstärke der Beringung stecken noch Reduzierungsmöglichkeiten.
Ringbindungen in halbtransparentem Braun. Zierbindungen in Gold. Alle Bindungen wurden sauber lackiert, mit stellenweise etwas zu reichlichem Lackauftrag.
Griff: Korkgriff Zigarre, 18 cm lang, aus 6mm-Korkscheiben in hervorragender Qualität.
Rollenhalter: Innovativer und schöner Schraubrollen- halter aus Nickelsilber mit edler Holzeinlage im "Käfig", griffwärts wirksam.
Sonstiges: Die Lieferung erfolgt im Futteral und im hochwertigen Alu- Rutenrohr. Es gilt die 25-Jahre ORVIS Vollgarantie gegen jegliche Art von Bruch.
Preis: 738,--€
Nähere Betrachtung und Praxistest
Mit unserer Testrute legt Orvis eine Fliegenrute vom Feinsten und von außerordentlich hoher Verarbeitungs- qualität vor. Der dunkelweinrote Blank mit leichtem Metallic-Touch wurde exakt, gerade und fehlerfrei gearbeitet, sowie sauber lackiert. Alle Ringe sitzen gerade in der Flucht, die Ring- und Zierbindungen wurden ebenfalls sauber lackiert - im unteren Bereich allerdings mit etwas zu reichlich wirkendem Lackauftrag. Der hochqualitative Korkgriff besteht aus 6mm-Korkscheiben und weist keine nennenswerten Löcher und Kittstellen auf - sehr gut: genauso erwarten wir das von einer solchen Edel-Fliegenrute! Der Griff liegt mit seiner schlanken Form außerordentlich gut in der Hand. Über die Grifflänge lässt es sich streiten, wir empfanden sie als passabel. Erste Sahne ist der innovative und schöne 
Schraubrollenhalter aus Nickelsilber mit edler Holzeinlage. Die Rollenbefestigung wirkt griffwärts und verkürzt dabei die Rute von unten her um bis zu 1,5 cm. Die befestigte Fliegenrolle wird sicher und fest gehalten, eine Nachregulation von Zeit zu Zeit ist nicht erforderlich.
Zusammengesteckt wird die "Zero Gravity" mit außerordentlich exakt passenden und daher bestens funktionierenden Überschubverbindungen, die leicht saugend greifen und sich mit leisem Plopp wieder trennen lassen. Erleichtert wird das Ausrichten beim Zusammenstecken der einzelnen Rutenteile durch Punktmarkierungen. Die Verbindungen halten die Rute auch bei ganztägigen Fischen sicher zusammen, ohne auch nur einmal nachträglich festgestellt werden zu müssen. Solche angenehmen "Kleinigkeiten" erleichtern dem Fliegenfischer das Leben und zeugen von 
hochqualitativer Rutenbauarbeit - sind jedoch bei anderen (auch bei ziemlich teuren...) Fliegenruten oft nicht selbstverständlich.
Nach den durchweg überzeugenden Äußerlichkeiten kommen wir nun zu den inneren Werten unserer Testrute. Orvis beschreibt die außergewöhnlichen Wurf- und Gebrauchseigenschaften der "Zero Gravity" u.a. als das Ergebnis einer Kombination aus leistungsverstärkten Kohlefasern, einer leichteren Kohlefaser-Trägersubstanz, Borfasern der neuesten Generation und thermoplastikverstärkten Harzen. Das Ergebnis sind leichtere Ruten, die mehr Wurfdistanz, Präzision, Feingefühl, Lebensdauer und Bruchsicherheit in sich vereinen.
In der Praxis meisterte unsere "ZeroG" jede Situation mit Bravour. Wir fischten die Rute mit 5er und 6er WF Fliegenschnüren verschiedener Hersteller, unter Wind- und Wetterbedingungen, wie sie unterschiedlicher und wechselhafter kaum sein könnten - bei Regen, Sturm und Sonnenschein - auf dem See - vom Boot und bei der Ufer-Watfischerei, sowie an verschiedenen Flüssen - mit Trocken- und Naßfliegen, Nymphen und bis hin zu leichten Hechtstreamern.
Die "ZeroG" reagiert auf jeden Fingerdruck präzise und befördert die Leine mit hoher Geschwindigkeit zielgenau an die anvisierten Plätze - auch gegen handfeste Winde. Wurfenergie und Rückstellvermögen sind enorm, jedoch hatten wir niemals den Eindruck einer steifen und harten Rute - im Gegenteil! Aufgrund der Leichtigkeit der Rute und der hervorragenden Wurfunterstützung ermöglicht die "ZeroG" ein ermüdungsfreies Fischen über viele Stunden hinweg. Die unterschiedlichen Werfer unserer Gruppe kamen ohne nennenswerte Eingewöhnungszeiten problemlos mit der "ZeroG" klar und waren begeistert. Auch hier - im Ansprechen verschiedener Werfer mit unterschiedlichen Anforderungen - hat Orvis ganze Arbeit geleistet. Mit der "ZeroG" wirft der erfahrene Fliegenfischer eher "steuernd" und gibt selbst nur wenig Kraft zu - den Rest erledigt die Rute...
Mit der Benennung ihrer durchweg präzisen Aktionsbeschreibung ("Flex"-Werte plus Zahlenwertskala als elektronisch ermittelte Biegeparameter) hat der geneigte Käufer einer Orvis-Fliegenrute bereits vor dem Rutenkauf die reelle Möglichkeit, seine "Wunschaktion", zumindest theoretisch, vorab auszuwählen (siehe Orvis Katalog 2006, Seite 7). Unsere Rute mit der Beschreibung "Mid-Flex 6.5" leistet sensible Arbeit - ab der Spitze und bei zunehmender Beanspruchung bis über die Rutenmitte herunter, sie ist einsetzbar für ein breites Einsatzspektrum und Werfer mit unterschiedlichen Wurfstilen (wie wir oben schon feststellen konnten). Die zügige und kraftvolle Aktion wird durch die vierfache Teilung in keiner Weise negativ beeinflusst, bzw. unterbrochen. Der feinfühlige Spitzenbereich bringt im Drill erstklassige "Gefühlsübertragung", die energische Kraft der ganzen Rute führt zur raschen Ermüdung auch größerer Fische.
Fazit:
Mit der von uns getesteten "Zero Gravity" legt Orvis ein Meisterwerk der Oberklasse vor und uns eine der besten Fliegenruten in die Wurfhand, die wir bis heute überhaupt fischen und testen konnten. Mit all ihren weiter oben beschriebenen Eigenschaften ist die Rute über jeden Zweifel erhaben. Starke Leistung !
Bezug:
Im Fachhandel (alle Orvisdealer). In Thüringen z.B. bei FischimNetz.de, Angelspezi Fachgeschäft (mit Versand und Internetshop), Ichtershäuser Str.74, 99310 Arnstadt, Telefon (03628)586694, eMail: tom@fischimnetz.de
Orvis-Vertretung für Deutschland: Orvis Services, Inc. M. Raguse, Robert-Blum-Str. 5 b, D-22453 Hamburg, Tel.:
(040)5892302, Fax: (040)5892304, E-Mail: RaguseM@Orvis.com
Katalogvorstellung (deutsch): Aktuelles
Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos: (C) Michael Müller
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