Gerätebesprechung - Fliegenrollen:
"Islander FR 4"
In den meisten Fällen sind Fliegenrollen mehr oder weniger teure Schnur- speicher. Aber manchmal braucht´s schon ein wenig mehr. Große kampfstarke Fische rufen nach ausreichender Backing- kapazität und einer starken Bremse. Nachdem bei einer Kanadatour die erste Rolle wegen eines verzogenen Rahmens (kein Scherz!) und die zweite teure High-Tech-Rolle wegen mehrer verlorener Teile den
Dienst quittierte, hatte ich noch eine weitere Anforderung. Eine Rolle muss robust sein und aus möglichst wenig Einzelteilen bestehen, die man verlieren kann. Die einhellige Empfehlung der Spezialisten vor Ort in Sachen Zuverlässigkeit hieß: Islander

Die kleine Rollenschmiede auf Vancouver Island baut 3 Serien Fliegenrollen. Die FR-Serie ist sozusagen die Ur-Islander. Die FR 4 ist die größte Ausführung, fasst laut Hersteller eine WF12F plus 350m 20lbs-Backing und kostet in Kanada rund 550,-- Can$ zuzügl. Steuern (einschl. der kanadischen Steuern gut 400 Euro; Stand Juli 2004).

Es gibt noch eine FR2 für 8er und eine FR3 für 10er Schnüre. Die Rollen sind in gold oder schwarz eloxiert lieferbar.

Beschreibung und Technische Daten

Die Islander FR4 ist eine Normalkernfliegenrolle. Gehäuse und Spule sind jeweils in schwerer Bauweise aus einem Stück Aluminium gedreht und goldfarben eloxiert. Die Rollenrückseite ist geschlossen, die Spule ist auf der Frontseite gelocht. Alles wirkt extrem stabil und die FR4 hat ein Leergewicht von ca. 330 Gramm.

Verglichen mit anderen (leichteren) Rollen dieser Größe wirkt alles etwas schwerer und solider. 

Die FR4 hat einen Außendurchmesser von 100mm und eine Breite von 61mm (ohne Kurbel, mit Bremseinstellrad). Die Spuleninnenbreite beträgt 31mm bei einem nutzbaren Durchmesser von ca. 90mm. 

Der Rollenkäfig ist offen und hat unten mittig einen Steg.

Im Bremssystem kommt eine großflächige offene Korkbremse zum Einsatz.

Mittels eines großen und griffigen Einstellrades auf der Gehäuserückseite kann die Bremskraft fein justiert werden. 
Konstruktionsbedingt macht die Rolle beim Aufkurbeln ein typisches, relativ lautes Klickergeräusch. Zusätzlich ist auf der Rückseite der Spule ein Klicker positioniert, der beim Schnurabzug für ein leiseres Klickergeräusch sorgt. 
Das Bremseinstellrad ist unmittelbar auf die Achse aufgeschraubt, die wiederum durch die Spule gesteckt ist. Zum Spulenwechsel muss das Bremseinstellrad abgeschraubt werden, dann kann die Spule mit Achse abgezogen werden. Die Achse wird dann in die neue Spule gesteckt und alles wieder zusammengeschraubt. Dies ist zwar umständlicher als bei anderen Rollen, wird meines Erachtens aber dadurch mehr als kompensiert, dass sich während des Fischens praktisch keine "lebensnotwendigen" (Klein-)Teile lösen können. Für einen Spulenwechsel und ein weitgehendes Zerlegen der Rolle werden keine Hilfsmittel/Werkzeuge benötigt. 

Die gesamte Rolle besteht aus weniger als 20 Einzelteilen!

Die Lieferung erfolgt in einer Neopren-Rollentasche. Der Rolle liegt eine ausführliche Bedienungs- und Pflegeanleitung bei. 

Zu allen Fotos möchte ich anmerken, dass die Rolle zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Wochen genutzt wurde.

Praxistest

Die FR4 passt mit Ihrer schweren Bauart gut zu 9/10er Zweihandruten, soweit man mit Schussköpfen fischt. 

Auf meiner Rolle habe ich einen ca. 11m langen schwimmenden Guideline Power Taper Schusskopf in Schnurklasse 9/10, eine herkömmliche 30 Meter lange 30lbs Runningline und ca. 220 Meter Scientific Anglers 30lbs Backing untergebracht. 

Die ganze Rolle ist äußerst solide und alles läuft ruck- und spielfrei. Die Verarbeitung ist technisch und optisch einwandfrei! Hier gibt es wirklich nichts auszusetzen. 

Die Bremse lässt sich mit dem großen griffigen Bremseinstellrad auf der Gehäuserückseite fein justieren, ist bärenstark und arbeitet ruckfrei. Für ruckfreies Bremsen sollte man bei häufigen heftigen Drills etwa alle 2-3 Tage ein paar Tröpfchen Öl auf die Korkoberfläche der Bremse tröpfeln. Über den breiten Spulenrand kann man per Hand feinfühlig zusätzlichen Bremsdruck aufbauen.

Ich war selbst etwas skeptisch gegenüber einer offenen Korkbremse. Aber abgesehen vom Pflegeaufwand konnte ich keinerlei Nachteile feststellen. Auch wenn die Rute mal im Wasser liegt oder wenn man im Regen fischt, hat sich dies nicht nachteilig auf die Bremsleistung ausgewirkt. Allerdings sollte man darauf achten, dass beim "Vollbad" die Bremse immer etwas angezogen ist. Dadurch ist die Oberfläche der Korkscheibe gegen eindringendes Wasser sozusagen abgedichtet. 

Die Kurbel aus Kunststoff ist für meinen Geschmack etwas kurz geraten. Ein paar Millimeter mehr täten ihr ganz gut. 

Nicht verschweigen möchte ich, dass die Islander FR4 ein wenig Pflege braucht. Es gibt einige Teile, z. B. die Verzahnung des Bremsrades, die gefettet werden müssen und einige weitere Teile müssen regelmäßig geölt werden. Auch die Korkoberfläche der Bremse braucht wie schon gesagt für ein ruckfreies Bremsen gelegentlich ein paar Tröpfchen Öl. Regelmäßig sollte man altes Fett und Öl entfernen und alles neu fetten und ölen. Mit etwas Übung ist der Job (reinigen und fetten/ölen) in gut 20 Minuten getan. Die sehr ausführliche Bedienungs- und Pflegeanleitung lässt keine Fragen offen, wohin Fett und Öl gehören. 

Der Umbau von Links- auf Rechtshandbetrieb ist sehr einfach. Es muss lediglich die Sperrklinke, die in das Bremsrad einrastet, ohne Werkzeug umgelegt werden. Mit Hilfe eines Schraubenziehers muss dann noch die Feder des Klickers (bei Schnurabzug) auf der Rückseite der Spule auf die andere Seite gelegt werden. 

Fazit

Die Islander FR4 ist eine hervorragend verarbeitete Rolle im klassischen Design. Eine durchdachte Konstruktion mit wenigen Einzelteilen und die sehr robuste Bauweise vermitteln den Eindruck einer sehr soliden und funktionssicheren Rolle. Ihre Größe und ihr Gewicht prädestinieren sie für den Einsatz an Zweihandruten sowie für die schwere Fischerei auf die ganz Großen. 

Bauweise, Verarbeitung und Einsatzbereich legen den Vergleich mit anderen amerikanischen Edelrollen wie beispielsweise Abel oder Tibor nahe. Ein Preis von umgerechnet etwa 400 Euro (Stand: Juli 2004) lässt die FR4 aber eher konkurrenzlos erscheinen. 

Weitere Infos

In Europa gibt es bisher leider nur einen Händler in Oslo/Norwegen. In Canada und USA vertreiben zahlreiche Händler die Rollen von Islander. 

Hersteller Website: www.islander.com

Testbericht: Stefan Scherf im November 2004 für www.fliegenfischer-forum.de 

Fotos (C): Stefan Scherf
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