Reise: Island:
Island 2025 – An Hvannadalsá, Litlaá und Skjálftavatn
Reisetagebuch 26.07.2025 bis 07.08.2025 | von Christian Mayr

Über die Litlaá hatte ich zum ersten Mal Anfang 2004 gelesen, als ich einen Reisebericht im Fliegenfischer geradezu begeistert verschlungen hatte. Bei unserer Islandreise im Jahr 2022 versuchten wir dann erstmals, ein bis drei Tage an der Litlaá mit einzubauen, aber das hat damals leider nicht mit den anderen Reisebestandteilen zusammengepasst.

Und so dauerte es dann doch ziemlich genau 20 Jahre, bis das Thema Anfang 2024 richtig ernst wurde, als ich auf „Kleinanzeigen“ innerhalb weniger Wochen zwei Annoncen entdeckte, in denen jemand Reisebegleiter nach Los Roques oder nach Island suchte (Stichwort: „Von Freunden für Freunde!“). Nach einem sehr positiven ersten Telefonat über fast zwei Stunden und einem Treffen mit dem Initiator bei der EWF 2024 - bei dem uns schon leichte Zweifel kamen - sagten Manfred und ich dennoch zu, für eine Woche mit an die Litlaá zu fahren. Ursprünglich sollte der Reisetermin in der zweiten Augusthälfte liegen, wenn der Meerforellenaufstieg im Normalfall schon voll im Gang ist, aber aus irgendwelchen (fadenscheinigen) Gründen hat das nicht geklappt und uns wurde ein Termin Ende Juli/Anfang August genannt. Obwohl unsere Zweifel mit der Zeit immer größer wurden, haben wir dafür noch eine (überschaubare) „Reservierungsgebühr“ bezahlt. Wir bestanden aber darauf, den Reisepreis nur direkt an den Pächter nach Island zu bezahlen und von dort vorher auch eine Bestätigung für unsere Buchung zu erhalten. Das hat nach einigen Diskussionen über WhatsApp letztendlich geklappt, sodass wir vom 30.07.2025 nachmittags bis zum 06.08.2025 vormittags Lizenzen an der Litlaá bekamen, was uns auch vom isländischen Pächter der Litlaá nochmals per E-Mail bestätigt wurde. Der „Initiator“ der Reise begleitete uns schlussendlich nicht an die Litlaá, wobei das vermutlich auch nie geplant war, sondern es ihm wohl vor allem um unser Bestes (sprich: unser Geld) ging! Mittlerweile habe ich deswegen Anzeige wegen Betrugs erstattet, nachdem mir der Pächter nach unserer Rückkehr bestätigt hatte, dass unsere „Reservierungsgebühr“ nie nach Island geflossen ist!

Daneben suchte ich noch nach einer Ergänzung für zwei bis drei weitere Tage und wurde auf der Seite Veida.is fündig: Wir buchten online zwei Tage an einem kleineren Lachsfluss ganz im Nordwesten Islands, der Hvannadalsá. Die Lizenzen für die Hvannadalsá waren mit etwa EUR 375 pro Tag für isländische Verhältnisse einigermaßen erschwinglich. Um unsere Chancen zu optimieren, nahmen wir uns für unseren vollen Tag an der Hvannadalsá noch einen Guide.
 

26.07.2025

Zusammen mit meinem ältesten Sohn holten wir Manfred um 10 Uhr in Augsburg ab. Danach ging es weiter zum Flughafen nach Erding, den wir kurz nach 11 Uhr erreichten und dort meinen Sohn verabschiedeten. Das Einchecken verlief problemlos und ich hatte mit 22,6 Kilogramm sogar erstmals weniger Aufgabegepäck als Manfred, wobei mein Rucksack sicher deutlich schwerer war. Beim Check-In lernten wir zwei Südtiroler kennen, die auf dem Weg zur West Rangá waren und unterhielten uns auch später noch angeregt mit ihnen.

Wie meistens, wenn wir nach Island flogen, erfolgte der Abflug wieder mit einer guten halben Stunde Verspätung, die Landung in Keflavik war dafür wieder annähernd pünktlich. Nach einem ruhigen Flug erhielten wir unser Gepäck recht zügig und gingen nach einem sehr kurzen Vorzeigen unserer Desinfektionszertifikate zur Ankunftshalle. Dort wartete ein Mitarbeiter unseres Mietwagenverleihs bereits auf uns und einige weitere Kunden. Die Mietwagenfirma selbst lag ein paar Kilometer vom Flughafen entfernt und die jeweiligen Hauptfahrer wurden mit einem Shuttlebus dorthin gebracht. Aufgrund der bereits im Vorfeld online übermittelten Unterlagen (Führerschein und Personalausweis) erfolgte die Übergabe schnell und reibungslos. Mit dem Fahrzeug an sich hatten wir diesmal eher Pech, da der Subaru schon über 218.000 Kilometer auf dem Tacho hatte und man ihm das auch ansah. Zudem war der Wagen nicht besonders geräumig, was letztes Jahr, als wir ja größtenteils zu dritt unterwegs waren, zu einem echten Platzproblem geführt hätte.

Nach der Entgegennahme des Autos fuhr ich zum Flughafen zurück und gabelte Manfred dort auf. Wir machten uns dann gleich auf den Weg zu unserem Hotel in Reykjavik, das wir schon von zwei früheren Aufenthalten kannten. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, gingen wir zu einem Asia-Imbiss ganz in der Nähe und aßen dort beide Nudeln mit Hühnerfleisch und Gemüse, was deutlich besser schmeckte, als beim letzten Mal. Im Anschluss machten wir noch einen halbstündigen Spaziergang in der Umgebung des Hotels und gingen danach zeitnah ins Bett.
 

Landeanflug auf Keflavik
Auf dem Weg nach Reykjavik

27.07.2025

Nach einem gemütlichen Frühstück nahmen wir beide noch eine Dusche und brachen um kurz nach 9 Uhr zur Hvannadalsá auf. Unser erster Zwischenstopp lag in Borgarnes, etwa eine Autostunde von Reykjavik entfernt, wo wir den örtlichen Bonus-Markt aufsuchten und uns mit Lebensmitteln und Getränken für die nächsten Tage eindeckten und dafür etwas mehr als 20.000 Isländische Kronen (umgerechnet etwa EUR 140) hinblätterten. 
 

Zwischenstopp in Borgarnes am Atlantik

Nach einer weiteren kurzen Pause an der Haukadalsá erreichten wir unsere Selbstversorger-Lodge an der Hvannadalsá nach insgesamt etwa vier Stunden Fahrt gegen 14:30 Uhr. Die erst vor ein paar Jahren erbaute Lodge ließ keine Wünsche offen: Die Küche war optisch sehr ansprechend und auch top ausgestattet, der Aufenthaltsraum war sehr gemütlich und hatte Panoramafenster mit Blick auf den Fluss und seine Mündung in den Atlantik. Wir hatten zu zweit vier Schlafzimmer (mit jeweils zwei Betten) und jeder ein eigenes Bad mit Dusche!
Zwischenstopp an der Haukadalsá

Selbstversorger-Lodge an der Hvannadalsá
Der Aufenthaltsraum der Lodge
Panoramafenster mit Blick auf die Hvannadalsá
Küche
Die Hvannadalsá ist ein kleiner bis mittelgroßer Fluss im Nordwesten Islands, dessen lachsführende Strecke etwa sieben Kilometer beträgt. Der Fluss führt meist glasklares Wasser und der Flusslauf wird durch einige Wasserfälle („Fossen“) unterbrochen. Im letzten Jahr wurden dort - laut Fangstatistik im Internet - von den zwei erlaubten Ruten in der knapp dreimonatigen Saison 80 Lachse gefangen. Wobei ich davon ausgehe, dass in den Selbstversorger-Lodges die Einträge ins Fangbuch nicht besonders zuverlässig erfolgen und die tatsächlichen Fänge deshalb eher höher liegen.

Leider führte die Hvannadalsá, wie die meisten Lachsflüsse im Nordwesten von Island, in diesem Jahr ziemlich wenig Wasser. Auch das Fangbuch sorgte mit einem (!) gefangenen beziehungsweise eingetragenen Lachs seit dem 01.07.2025 nicht unbedingt für einen Motivationsschub! Aber Aufgeben kam natürlich nicht in Frage und wir waren uns sicher, dass in den größeren Wasserfällen zumindest der ein oder andere Lachs stehen sollte. Da unsere Lizenzen erst ab 16 Uhr gültig waren, schauten wir uns den Fluss in der Umgebung der Lodge etwas genauer an und fuhren auch kurz an den Mündungsbereich.
 

Hvannadalsá unterhalb der Lodge

Der Mündungsbereich der Hvannadalsá bei Ebbe

Laut der Fangstatistik des Vorjahres wurde ein Großteil der Lachse an den beiden größten Wasserfällen – dem „Árdalsfoss“ und dem „Imbufoss“ – und den darunterliegenden „Runs“ gefangen. Wir konzentrierten uns deshalb am ersten Abend auf diese Plätze.

Ich begann im „Árdalsfoss“, dem mit Abstand größten Wasserfall, und befischte diesen von unten und watete dazu ein paar Meter ein. Man kommt dort nicht viel näher als etwa 20 Meter an den Absturz des Wassers, da der Pool in der Mitte mehrere Meter tief ist. Ans 25er Nylonvorfach von Stroft kam zuerst eine kleine schwarz-blaue „Bismo“, die ich schnell an der Oberfläche entlangstrippte. Aber ebenso wie auf die danach eingesetzte „Red Frances“ mit Tungstenkopf, hatte ich keinen Biss. Manfred fischte zuerst den „Run“ unterhalb des Wasserfalls, den „Árdalsfljót“, ab und konnte zumindest einen Grilse entdecken, der aber schnell flüchtete.

Danach liefen wir hoch zum „Imbufoss“, der in einem wunderschönen kleinen Canyon liegt. Manfred befischte den „Foss“ als Erster, ich nahm mir den Auslauf darunter vor und konnte dort auch einen Grilse entdecken, der zuerst gemütlich vom Wasserfall flussab schwamm, um kurz darauf wieder Richtung „Imbufoss“ zu ziehen. Ich versuchte es zuerst mit einer kleinen Hitchtube, an der sich zwar zwei Lachsparrs mit knapp zehn Zentimetern Länge vergriffen, sich ansonsten aber nichts tat. Auch Manfred blieb im Wasserfall selbst ohne Biss.
 

„Imbufoss“
„Imbufljót“ mit „Imbufoss“ im Hintergrund
Blick vom „Imbufljót“ flussabwärts

Felsformation beim „Imbufoss“
Wir liefen anschließend wieder Richtung Lodge zurück und fischten noch einige Stellen auf dem Weg dorthin ab. Zum Abschluss machte ich noch zwei Durchgänge im „Árdalsfljót“, dem „Run“ unterhalb des „Árdalsfoss“, die beide direkt unterhalb unserer Lodge lagen. Aber auch dabei passierte nichts mehr, sodass wir die erste Session unseres diesjährigen Islandurlaubs um kurz nach 21 Uhr erfolglos beendeten. In der Lodge machten wir uns noch ein paar Spiegeleier und aßen dazu Brot und Wurst. Manfred briet sich dazu noch ein paar Birkenpilze raus, die er neben dem Feldweg am Fluss entlang gefunden hatte.
       
Manfred fischt unter dem „Árdalsfoss“ – im Hintergrund der „Árdalsfljót“

28.07.2025

Für diesen Tag hatten wir im Vorfeld einen Guide gebucht und hofften, dass dieser uns vielleicht an den ein oder anderen Lachs führen würde. Ich stand gegen 6 Uhr auf, Manfred war da schon in der Küche beim Frühstück. Als ich nochmal meine E-Mails checkte, hatte ich tatsächlich noch eine Nachricht von unserem Outfitter bekommen, der uns mitteilte, dass unser Guide etwas später kommen würde, da er nach der „High-Tide“ am späten Vormittag noch gerne um die Mittagszeit den Mündungsbereich mit uns befischen wollte.

Als er dann auftauchte, dämpfte er unsere Erwartungen gleich mal noch weiter: Er meinte, dass momentan wegen des sehr niedrigen Wasserstands nur wenig Lachse im Fluss seien und es ziemlich schwierig werden würde…
Unser Guide platzierte zuerst Manfred am „Árdalsfljót“ direkt unterhalb der Lodge und instruierte ihn, wie er den Pool und den darüber liegenden „Árdalsfoss“ befischen sollte. Dazu gab er uns jeweils eine seiner Fliegen, eine 16er „Silver Sheep“ auf einem Drillingshaken, die wir am 18er (!) Vorfach fischen sollten. 

Mit mir fuhr er dann etwa zwei Kilometer flussaufwärts an den „Hellisfoss“. Ich erschrak etwas, als wir am Canyon angekommen waren und er auf das dort befestigte Seil zeigte, an dem ich mich abseilen sollte. Trotz meiner Höhenangst hat das Abseilen dann aber viel besser geklappt als befürchtet. Unten angekommen befischte ich den beim momentanen Wasserstand doch sehr überschaubaren Wasserfall zuerst von ganz links um dann auf die rechte Seite zu wechseln und das linke Ufer abzufischen. Beim „Hellisfoss“ und seinem kleinen Canyon handelt es sich wohl um den optisch schönsten Platz am ganzen Fluss, aber auch hier hatte ich weder einen Biss, noch konnte ich im glasklaren Wasser einen Lachs sichten. Ich fischte den Foss und den darunterliegenden halben Flusskilometer in den nächsten etwa eineinhalb Stunden gründlich ab, bevor mich unser Guide Sigurdur wieder abholte.
 

„Hellisfoss“
Canyon unterhalb des „Hellisfoss“
Manfred fischt im „Imbufoss“ 
Danach lasen wir Manfred beim „Imbufoss“ auf und fuhren an den untersten Kilometer der Hvannadalsá vor der Mündung. Hier war die Fischerei noch hoffnungsloser als weiter oben, da die Bereiche, wo man sich mit viel Phantasie einen Lachs vorstellen konnte, bei dem niedrigen Wasserstand sehr dünn gesät waren. Nur am „Seapool“ und am darüber liegenden Pool gab es etwas tiefere Züge, wo eventuell ein Lachs stehen könnte. Aber auch hier hatten wir keinen Erfolg.

Als wir nach der Mittagspause gegen 17 Uhr wieder starteten, brachte uns unser Guide zum obersten Wasserfall der lachsführenden Strecke, dem „Stekkjarfoss“, von dem wir uns zur Lodge zurückfischen sollten. Ob das bei dem niedrigen Wasserstand eine gute Idee war, sei mal dahingestellt, aber weder wir, noch unser Guide wussten so recht, was wir sonst noch versuchen sollten. 

Zumindest optisch war der Oberlauf eine Augenweide, aber fischereitechnisch blieb es beim gleichen Ergebnis wie am Vormittag. Am Abend kam zwar noch leichter Regen auf, aber auch das änderte wenig an der ziemlich trostlosen Gesamtsituation. Ich fischte in den letzten beiden Stunden nochmal die beiden größten Wasserfälle und die dazugehörigen „Runs“ ab, wo wir ja am Vortag zumindest zwei Lachse gesehen hatten, aber zu einem Biss oder zumindest zu einer weiteren Sichtung eines Lachses kam es leider nicht mehr.
 

„Stekkjarfoss“ am oberen Ende der lachsführenden Strecke
Canyon unterhalb des „Stekkjarfoss“
Oberlauf der Hvannadalsá unterhalb des „Stekkjarfoss“


„Pool“-Schild 
Unser Guide hatte offensichtlich ein schlechtes Gewissen, da die Chancen einen Lachs zu fangen, eher gegen Null tendierten. Er bot uns deshalb an, am nächsten Vormittag nochmal vorbeizukommen, um es während der Flut im Mündungsbereich auf aufsteigende Arktische Saiblinge zu versuchen, wo er die Chancen auf Erfolg deutlich höher einschätzte. Er erzählte uns, dass vor zwei Tagen im Mündungsbereich der Langadalsá, die direkt neben der Hvannadalsá in den Atlantik mündet, einige Arktische Saiblinge gefangen wurden.
 

29.07.2025

Bevor unser Guide um etwa 10 Uhr kam, machte ich einen Durchgang im „Homepool“, aber hier schien der Wasserstand, trotz des leichten Regens am Vorabend, nochmal deutlich gesunken zu sein. Wir sind dann nach der Ankunft unseres Guides auch direkt zum „Seapool“ aufgebrochen, der eine tiefere Rinne hatte und durchaus erfolgsversprechend aussah. Wir hofften, dass mit der Flut – ähnlich wie letztes Jahr an der Midfjardará – der ein oder andere Arctic Char aufsteigen und sich mit einer Bugwelle an der Oberfläche verraten würde. Allerdings gab es in den etwa zwei Stunden, die wir um die „High-Tide“ fischten, keinerlei Bisse oder Anzeichen von aufsteigenden Fischen.

Wir brachen die Fischerei gegen 13 Uhr ab und verstauten unser vorher schon bereitgestelltes Gepäck in unseren Mietwagen, um nach Blönduós aufzubrechen. Wir hatten dann jedoch noch ein paar bange Minuten, da unser Subaru erst nach einer gefühlten Ewigkeit ansprang.
Die Übernachtung in Blönduós hatten wir eingeplant, da uns der Weg von der Hvannadalsá an die Litlaá zu weit war, um ihn in einem Stück zu fahren. Blönduós liegt strategisch günstig etwa auf halben Weg zur Litlaá, circa dreieinhalb Stunden Fahrt von der Hvannadalsá entfernt. Wir kamen gegen 16 Uhr am „Brimslod Atelier Guesthouse“ an, das direkt am Atlantik, in unmittelbarer Nähe zur Mündung der Blandá, liegt. Wir hatten unser Zimmer nicht im Haupthaus, sondern in einem sehr stilvollen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Das Zimmer war ansprechend und hatte eine sehr gute Dusche, die wir auch gleich beide nutzten.

Am Abend liefen wir dann über die Brücke der Blandá, die extrem viel Wasser führte, was wohl am Einfluss des Gletschers liegt, der die Blandá speist. Wir gingen zu einem Schnellrestaurant und aßen dort jeweils einen Cheeseburger mit reichlich Pommes und stellten fest, dass auch in Island die Preise in den letzten Jahren nochmal deutlich angezogen haben. Pro Person zahlten wir umgerechnet etwa EUR 30, was im Vergleich zu unserer ersten Islandreise in 2021 etwa 50 % Aufschlag waren. Aber zumindest waren Burger und Pommes sehr lecker.
 

Unsere Unterkunft in Blönduós
Moderne Kirchenarchitektur in Blönduós
Blandá

30.07.2025

Am nächsten Morgen gingen wir gegen 8 Uhr zum Frühstück, das wirklich hervorragend war. Neben der üblichen Auswahl gab es zwei große Platten mit geräuchertem und gebeiztem Lachs, der klasse schmeckte. Dazu frisches Brot und Semmeln, sowie eine große Auswahl an Getränken, Brotaufstrichen, Müsli und Obst. Auf jeden Fall sehr zu empfehlen!
 

Blick aus dem Frühstücksraum direkt auf den Atlantik
Nach dem Frühstück ging es gleich weiter und wir fuhren die gut 140 Kilometer zum nächsten Zwischenstopp nach Akureyri, der größten Stadt in Islands Norden. Dort haben wir getankt, im örtlichen Bonus-Markt unsere Essensvorräte, vor allem mit Fleisch und Wurst, aufgestockt und in einer „Vinbúdin“ noch einen Zwölferpack Dosenbier gekauft. Danach hatten wir noch weitere 140 Kilometer vor uns und erreichten das „Keldunes Guesthouse“ an der Litlaá ziemlich genau um 13:30 Uhr. Dort wurden wir gleich von der Vermieterin in Empfang genommen und durften uns ein Zimmer im Untergeschoss aussuchen, da wir die ersten neuen Gäste waren. Sie zeigte uns danach noch die Küche und die Garage, wo man die Watsachen deponieren konnte. Anschließend nahmen wir eine Kleinigkeit zu uns und liefen dann den kurzen Weg zur Litlaá, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen.
        
Keldunes Guesthouse – daneben unser Subaru
Unser Zimmer für die nächste Woche
Die Litlaá ist bekannt für ihr ganzjährig überdurchschnittlich warmes Wasser von 12 Grad Celsius, das ihre Brown Trout und Arctic Char sehr schnell abwachsen lässt. In den meisten Jahren wird dort eine mittlere zweistellige Anzahl von Forellen über 70 Zentimetern gefangen. Neben den Brown Trout gibt es sowohl residente als auch meerwandernde Arktische Saiblinge (Arctic Char), die man überwiegend im Quellsee Skjálftavatn, aber auch im Fluss selbst fängt. Auf der Homepage findet man das Bild eines Saiblings von 90 Zentimetern aus dem See und in der Fangstatistik von 2020 taucht sogar ein Fisch von 100 Zentimetern (!?) auf. Daneben hat die Littlaá auch einen guten Aufstieg von Meerforellen (Sea Running Brown Trout) und ab und an "verirrt" sich auch mal ein Lachs. In diesem Frühjahr wurden ungewöhnlich viele Meerforellen (Absteiger) gefangen und wir hofften, dass der erneute Aufstieg der Meerforellen Ende Juli schon begonnen hatte.

Der Skjálftavatn (isländisch: Bebensee) ist im Winter 1975/1976 durch mehrere Erdbeben und Eruptionen des Vulkans Krafla entstanden, als sich der Boden mehrere Meter absenkte. Der See hat eine Fläche von circa neun Quadratkilometern und ist nur zwischen zwei und drei Meter tief. Er hat einen sehr guten Bestand an Arktischen Saiblingen und auch einen guten Bestand an – teilweise sehr großen – Brown Trout.

Wie in Island üblich, ist die Fischerei an Litlaá und Skjálftavatn in zwei Sechs-Stunden-Schichten pro Tag eingeteilt, die normalerweise von 7 bis 13 Uhr und von 16 bis 22 Uhr gehen. Die Nachmittagssession durfte man allerdings flexibel gestalten und um bis zu drei Stunden nach hinten verschieben. Von den insgesamt pro Tag vergebenen sieben Lizenzen durften fünf Ruten an der Litlaá und zwei Ruten am Skjálftavatn fischen. Die Fischerei ist „Fly only“, ohne Widerhaken und auf „Catch & Release“-Basis.

Bei unserer Besichtigungstour landeten wir zuerst am obersten und – laut Fangstatistik - besten Pool der Litlaá, dem „Veghylur“ (Pool Nr. 69). Dort wird das Wasser aus dem Skjálftavatn durch ein großes Rohr unter der Straße durchgeleitet und bildet quasi den „Start“ der Litlaá. Das angetrübte Wasser schießt mit ordentlich Druck aus dem Rohr, dreht nach etwa 15 Metern zu beiden Seiten ab und bildet einen nahezu kreisförmigen Pool mit vielen unterschiedlichen Strömungen. Wir befürchteten schon bei der Besichtigung, dass die Fischerei hier nicht einfach werden würde.
 

„Veghylur“ (Pool 69) mit dem Einlaufrohr
Der Auslauf des „Veghylur“

Im Anschluss an diesen Pool zeigt sich die Litlaá erstmal als überschaubarer, mäßig dahinfließender Fluss mit vielleicht 10 Metern Breite. Es waren auf den ersten paar hundert Metern auch gleich einige steigende Fische zu entdecken, die genüsslich Insekten von der Oberfläche pflückten. Wir kehrten danach durchaus optimistisch zu unserer Unterkunft zurück und bereiteten uns auf die erste Session vor.

Eigentlich hatten wir geplant, zuerst an den See zu fahren und uns dort auf Arctic Char etwas „einzufischen“, da die Fischerei dort einfacher sein sollte, als in der Litlaá selbst. Allerdings teilte uns die Verwalterin mit, dass die zwei am See erlaubten Ruten am Nachmittag schon anderweitig vergeben waren, wir aber am nächsten Morgen im Skjálftavatn fischen könnten. Wir fuhren deshalb zum obersten Pool der Litlaá und wollten dort starten. Da auch dieser schon befischt wurde, fuhren wir etwa einen Kilometer flussabwärts und haben unser Auto dort geparkt. Dort trafen wir gleich einen Einheimischen, der uns erzählte, dass er eine schöne Brown Trout mit etwa drei Kilogramm gefangen hätte. Er zeigte uns dann noch seine Streamerbox, die lediglich mit „Black Ghosts“ in verschieden Ausfertigungen bestückt war. Diese fischt er trotz der teilweise mehrere Meter tiefen Pools ausschließlich an der Schwimmschnur. Er schenkte uns beiden dann jeweils noch einen kleinen „Black Ghost“ und wünschte uns viel Erfolg.

Anschließend starteten wir beide mit der Streamerrute und banden – welch Überraschung – auch jeweils einen „Black Ghost“ ans Vorfach. Ich fischte eine neue Clear Intermediate in Klasse 7 von Monic an meiner 9 Fuß Orvis Helios 3 F in der gleichen Klasse. Als Vorfach wählte ich ungefähr eineinhalb Meter 28er Fluocarbon von Stroft (FC 1). Leider war die neue Schnur extrem kringelig, sodass das Werfen und Fischen anfangs nur wenig Spaß machte. Ich bemerkte zwar gleich am ersten Platz auf einen der ersten Würfe einen kleinen Schwall hinter meinem Black Ghost, einen Biss erhielt ich vorerst aber nicht. Manfred hatte einen besseren Start und fing gleich in der ersten Kurve zwei kleinere Bachforellen mit etwa 35 Zentimetern und hatte noch einen deutlich größeren Nachläufer. Am nächsten Platz, dem Pool „Höfdaborg“, der über einer kleinen Schwelle lag, hatte zuerst Manfred einen guten Biss und danach ich einen Nachläufer mit geschätzten vier bis fünf Pfund, der meinem Streamer aber eher neugierig als aggressiv folgte. Ein Stück oberhalb dieses Platzes fließt auf der anderen Flussseite ein kleiner Bach in die Litlaá. Über dem Einlauf sahen wir einige Ringe von steigenden Fischen, die uns dazu veranlassten, unsere Ruten zum Trockenfliegenfischen aufzubauen. Die Litlaá dürfte an dieser Stelle ungefähr 30 Meter breit sein und man konnte im flachen Wasser locker bis zur Flussmitte waten. Manfred konnte auf eine „Black Gnat“ schnell die nächste kleine Forelle überlisten und fing im weiteren Verlauf des Abends auch noch einen vierten Fisch. Ich hatte zwar zwei Bisse auf meine „Black Gnat“ am 16er Vorfach und später auch noch zwei „Anfasser“ auf einen Streamer, konnte aber am ersten Abend keinen Fisch landen. Wobei an der Stelle mit den steigenden Forellen, an der ich alle meine Bisse hatte, wohl vor allem kleinere Fische standen.
 

Litlaá zwischen Pool 64 („Höfdavad“) und 63 („Höfdaborg“)

In der letzten Stunde starteten wir noch einen ersten Versuch am Top-Pool „Veghylur“. Dabei bewahrheitete sich unsere Vermutung, dass die Fischerei auf Grund der sehr wechselhaften Strömungen nicht einfach sein würde. Wir befischten den Pool von beiden Seiten, warfen unsere beschwerten Streamer Richtung Einlaufrohr und versuchten dann irgendwie, einigermaßen die Kontrolle über den Lauf der Streamer zu behalten. Obwohl wir mehrere gute Fische in der starken Strömung des Einlaufs an die Oberfläche kommen sahen, hatten wir beide keinen Biss. Kurz vor 22 Uhr beendeten wir unseren ersten Abend an der Litlaá und fuhren den kurzen Weg zu unserer Unterkunft zurück. 

Dort waren mittlerweile vier Norweger angekommen, die die nächste Woche mit uns an Litlaá und Skjálftavatn verbringen würden. Nach einem kurzen Abendessen und etwas Smalltalk gingen wir dann gegen 23 Uhr ins Bett.
 

31.07.2025

In der Früh standen wir kurz vor 6 Uhr auf und sind nach einem Frühstück mit Eiern und Speck zum Skjálftavatn aufgebrochen, dessen Top-Beat („Uppsprettur“ – Pool 73) wir nach wenigen Minuten Fahrt gegen 7 Uhr erreichten. Nach einem kurzen Fußmarsch an den See startete Manfred gleich in der Nähe einer der kalten Quellen, die sich nicht weit vom Ufer befand. Ich wollte den See zuerst etwas erkunden und bin deshalb erstmal ohne Rute hinausgewatet, um eventuell eine Abbruchkante oder ähnliches zu entdecken. Der Untergrund des Sees bestand größtenteils aus Lavasand und Lavagestein, es gab aber auch immer wieder Stellen, an denen der Boden von einer Schlammschicht oder abgestorbenen Pflanzen bedeckt war. Daneben entdeckte ich noch mehrere Stellen, an denen Wasserpflanzen bis fast zur Oberfläche wuchsen. Obwohl ich mit Sicherheit über 100 Meter in den Skjálftavatn hinausgewandert bin, fand ich keine Kante zum tieferem Wasser. Der See war im Uferbereich größtenteils zwischen 50 und 70 Zentimeter tief und erreichte erst in etwa 100 Metern Entfernung vom Ufer eine Tiefe von über einem Meter.

Während ich noch im See herumwatete, hatte Manfred bereits eine Stelle mit aktiven Arktischen Saiblingen (Arctic Chars) entdeckt. Die Chars standen über und in der Umgebung eines „dunklen Flecks“ von etwa drei auf sechs Metern, der sich später als Lavagestein herausstellte, das sich etwa 20 bis 30 Zentimeter vom Seeboden erhob. Manfred versuchte es zuerst mit Nymphe, wechselte aber – als er wiederholt steigende Fische sah – schnell auf eine Trockenfliege. Er konnte dann auch rasch einen ersten Fisch auf die Trockenfliege haken und landen. Als seine schwarze Trockenfliege nicht mehr schwamm, begann Manfred diese langsam einzustrippen und fing so die beiden nächsten Arctic Char. Der größte der drei dürfte um die 48 Zentimeter gehabt haben, die beiden anderen waren etwas kleiner. 
 

An dieser Landzunge hatten die Norweger später meist ihr „Basislager“
Blick über den Skjálftavatn – der dunkle Fleck ist eine kalte Quelle
Manfred am „Charhügel“
Manfreds erster „guter“ Saibling

Als ich meine Rute mit einem Nymphentandem („Krókurinn“ mit „Alma Run“ im Hakenbogen) am 18er Vorfach (Stroft FC 1) aufgebaut hatte, überließ mir Manfred den Platz, an dem er die drei Saiblinge gefangen hatte. Nachdem ich die ersten beiden Bisse nicht verwerten konnte, war es dann endlich soweit: Ich hatte den ersten Fisch des diesjährigen Islandurlaubs im Drill! Die Größe des Saiblings war mit etwa 40 Zentimetern zwar noch ausbaufähig, aber jetzt war der Bann (hoffentlich) gebrochen! Kurz darauf hing dann bereits der nächste Char. Dieser schien deutlich größer zu sein und nahm mir gleichmäßig, aber sehr kraftvoll, immer mehr Schnur von der Rolle, bis er zwischenzeitlich über 20 Meter im Backing war. Dieses konnte ich ziemlich schnell wieder auf meine Rolle bringen, als der Char schnell auf mich zu schwamm. 

Als ich mich nach einigen Minuten und einigen weiteren kraftvollen Fluchten nach draußen schon langsam darauf vorbereitete, den Fisch allmählich zum Kescher zu bringen und den Drill zu beenden, schlitzte der Haken leider aus! Es war bisher einfach noch nicht mein Urlaub!

Nach weiteren Bissen, einem nach kurzem Drill verlorenen Fisch und einem auf die hintere Fliege („Alma Run“) gefangenen Saibling mit etwa 45 Zentimetern, hakte ich erneut einen größeren Char. Auch dieser Fisch nahm in der Anfangsphase des Drills unwiderstehlich Schnur von der Rolle und ging ebenfalls deutlich ins Backing. Ich konnte das Backing aber auch diesmal recht schnell wieder auf die Rolle bringen und hatte in der Endphase des Drills bereits den Verdacht, dass der Haken nicht im Maul hing. Das bestätigte sich dann leider kurz darauf: Der Haken saß in der Nähe der Fettflosse! Sehr schade, da es sich um einen sehr ordentlichen Saibling mit 55 bis 60 Zentimetern handelte. Kurz danach fing auch Manfred einen Saibling in etwa gleicher Größe, der an der Schwanzflosse gehakt war und dessen Drill sich deswegen auch ziemlich lange hinzog. Im Nachhinein schmerzte mich dadurch der Verlust des ersten großen Chars nicht mehr so sehr, da ich fast vermute, dass dieser auch „foul hooked“ war.

Auf Grund der ganzen Unruhe hatten die Saiblinge vorerst Lunte gerochen und wir erhielten an diesem Platz keine weiteren Bisse mehr. Wir wateten deshalb beide weiter in den See hinaus und versuchten es dort mit unseren langsam eingestrippten Nymphen weiterhin auf Arktische Saiblinge. Ich hatte dann bereits nach einigen Würfen einen harten Biss und die gehakte - etwa dreipfündige - Forelle sprang sofort in ganzer Länge aus dem Wasser und schüttelte sich in der Luft. Dem war mein 18er Vorfach leider nicht gewachsen und riss an der Verbindung der beiden Nymphen ab. Sehr ärgerlich!

Ich lief daraufhin zum Ufer zurück und wechselte auf meine 7er Orvis Helios 3 F mit der Einarsson 7Plus und einer 7er Rio Gold Schwimmschnur und band einen „Olive Nobbler“ in Größe 10 ans 28er Fluocarbonvorfach. Während ich wieder nach draußen watete, bekam Manfred einen größeren Fisch an seine „Krókurinn“. Da sich der Drill noch hinzuziehen schien, machte ich – in sicherer Entfernung zu Manfred - noch ein paar Würfe mit meinem Nobbler und hakte prompt erneut eine Brown Trout. Da diese nur ungefähr 40 Zentimeter hatte, war der Drill am Streamergerät recht schnell beendet und ich setzte den Fisch unmittelbar zurück.

Als sich der Drill von Manfreds Fisch langsam dem Ende näherte, watete ich zu ihm, um beim Keschern behilflich zu sein. Manfred ging anfangs davon aus, dass es sich um einen größeren Saibling handelte, ich vermutete nach einem Sprung des Fisches bereits, dass er eine Forelle jenseits von drei Kilo gehakt hatte. Nach einem letztendlich unkomplizierten Drill konnte ich ihm schließlich einen wunderschönen, gut genährten und farbenprächtigen Bachforellen-Milchner keschern. Das Wiegen mit der eingebauten Kescherwaage ergab ein Gewicht von 3,5 Kilogramm, das anschließende Messen am Ufer eine Länge von 68 Zentimetern! Und das Ganze auf eine kleine „Krókurinn“ am 18er Vorfach! Herzlichen Glückwunsch zur bisher größten Bachforelle!
 

Manfreds Rekordbachforelle im Kescher
Bachforellenmilchner im Portrait
Der glückliche Fänger mit 68er Brown Trout

Manfred beendete nach diesem phantastischen Fang seine Vormittagssession, während ich es weiterhin mit dem Streamer versuchte. Allerdings hatte ich in der nächsten knappen Stunde keinen weiteren Biss mehr, sodass wir gegen 12:30 Uhr unsere sehr ereignisreiche erste Session am Skjálftavatn beendeten und zu unserem Guesthouse zurückfuhren.

Am Abend ging es an die Litlaá und wir starteten am obersten Pool mit dem Einflussrohr. Wir versuchten es beide wieder mit beschwerten Streamern, der Erfolg blieb aber erneut aus. Diesmal sahen wir auch keine Fische an die Oberfläche kommen, einzig beim Herauswaten entdeckte ich im flachen Wasser eine halbstarke Forelle. 

Nach einer knappen Stunde entschieden wir uns, mit dem Auto etwa zwei bis drei Kilometer flussab zu fahren und landeten schließlich am Pool mit der Nr. 44 („Klöppin“). Dieser bestand im oberen Bereich aus einer tiefen Rinne mit gleichmäßiger Strömung, die an unserem Ufer entlanglief. Im unteren Bereich des Pools wurde der Fluss breiter und flacher und rauschte über eine kleine Schwelle. Ich versuchte es zuerst im unteren Teil des Pools mit Streamer und baute danach meine Sage XP in Klasse sechs und neun Fuß zum Nymphenfischen mit Bissanzeiger auf. Bei der Wahl der Vorfachstärke stand ich etwas im Zwiespalt zwischen der erwarteten - beziehungsweise erhofften - Fischgröße und einer noch einigermaßen natürlichen Präsentation der Nymphe und entschied mich schlussendlich für ein durchgehendes 20er Fluocarbonvorfach (Stroft FC 1) von etwa Rutenlänge. Ans Vorfachende kam eine „Copper John“ in Hakengröße 12. Ich fischte die tiefe Rinne etwa eine halbe Stunde intensiv ab, allerdings ohne Erfolg. Ebenso wie Manfred, der es etwas oberhalb von mir mit dem Streamer versuchte.

An diesem Abend herrschten anfangs ziemlich widrige Bedingungen mit Regen und heftigem Wind, weshalb wir eigentlich vereinbart hatten, die Fischerei früher zu beenden. Wir fuhren dann aber erstmal etwa einen Kilometer flussaufwärts und parkten unseren Mietwagen bei einem Brotzeittisch mit Bänken. Das war die gleiche Stelle, an der wir am Vortag unsere erste Session an der Littlaá starteten. Dort fließt die Litlaá zuerst über eine Schwelle und bildet darunter eine gleichmäßige Strömung aus, die nach knapp 50 Metern in eine Linkskurve übergeht. Auf unserer Flussseite ist das Ufer mehrere Meter hoch und man kommt deshalb im oberen Bereich des Pools nur sehr schlecht ans Wasser. Weiter unten, im Bereich der Linkskurve, war der Zugang aber problemlos möglich. Man konnte dort sogar noch ein paar Meter im flachen Wasser hinauswaten und stand dann direkt vor einer sehr schönen Abbruchkante. Hinter der Kante war das Wasser bestimmt über zwei Meter tief und floss über 15 bis 20 Meter gleichmäßig dahin. Optimale Bedingungen für das Fischen mit Nymphe in Dead Drift und Bissanzeiger! Da das Wetter zwischenzeitlich auch besser wurde und es aufgehört hatte zu regnen, stieg mein Optimismus wieder deutlich an.

Nach ein paar Würfen hatte ich die optimale Driftbahn für die Nymphe gefunden und wenn ich diese traf, lief die Nymphe über zehn bis fünfzehn Meter sehr gleichmäßig. Da sollte doch eigentlich etwas gehen…

Etwa nach einer Viertelstunde verschwindet mein Bissanzeiger dann das erste Mal! Der sofortige Anhieb geht aber total ins Leere. Obwohl sich an der Nymphe kein Kraut befindet, gehe ich erstmal von einer Grundberührung aus, denke mir aber dann, dass es doch irgendwie seltsam ist, dass die Nymphe - bei den über 20 Würfen vorher - an dieser Stelle noch nie hängengeblieben ist. Während ich noch darüber sinniere, zieht mein Bissanzeiger erneut nach unten weg! Diesmal wird mein reflexartiger Anschlag mit sofortigem Widerstand quittiert und der Fisch zieht mir sehr schnell die ersten Meter Schnur durch die Finger. Am Anfang des Drills achte ich bei größeren Fischen vor allem darauf, die Leerschnur „unfallfrei“ auf die Rolle zu bringen, um dann den eigentlichen Drill zu starten. Das ist in diesem Fall allerdings ein Fehler, da die Forelle sofort die mit Pflanzen bewachsene Abbruchkante ansteuert und meine Nymphe leider im Kraut „ablegt“, während ich noch mit dem Management meiner Schnur beschäftigt bin.

Mir bleibt zum Glück nur wenig Zeit, mich über meinen Fehler zu ärgern, da ich einige Würfe später - an fast genau der gleichen Stelle -  bereits den nächsten Biss habe. Der Anhieb sitzt und eine Forelle mit geschätzten zwei Kilogramm springt sofort senkrecht aus dem Wasser. Sie zieht danach gleich Richtung Abbruchkante und versucht dort, meine Nymphe abzuschütteln. Ich lasse mich diesmal aber nicht wieder überrumpeln und halte konsequent dagegen. So kann ich den Fisch mit Gewalt von der Kante und dem dortigen Kraut weghalten und die erste Flucht stoppen. Danach schwimmt die Forelle ins Freiwasser, wo sie sich gerne austoben darf. Im weiteren Verlauf des Drills zieht die Forelle zwar noch mehrmals ein paar Meter dynamisch nach draußen und versucht wiederholt, zur Abbruchkante zu gelangen, aber von Mal zu Mal werden ihre Fluchten kürzer und kurz darauf kippt sie das erste Mal leicht zur Seite. Wenig später kann Manfred mir die richtig gut genährte Brown Trout keschern und die Kescherwaage bestätigt meine erste Schätzung von ungefähr zwei Kilogramm exakt. Beim Messen lege ich das Maßband ungläubig mehrfach an und bin sehr überrascht, dass die Bachforelle wirklich „nur“ 52 Zentimeter hat! Aber die Fische der Litlaá stehen eben überwiegend sehr gut im Futter!
 

2-Kilo-Bachforelle im Kescher
Beim Zurücksetzen
Der Pool „Bugda“ im gleißenden Licht der tiefstehenden Sonne

Nach meinem ersten richtig schönen Fisch in diesem Urlaub überließ ich meinen Platz Manfred, der es dort eine Zeit lang versuchte, ehe ich selbst nochmal für eine Viertelstunde die Erfolgsstelle befischte. Bisse hatten wir allerdings beide nicht mehr und fuhren danach zu unserem Guesthouse zurück, wo wir noch auf den sehr ereignisreichen Tag anstießen.
 

01.08.2025

An diesem Morgen starteten wir gegen 07:30 Uhr am Einlaufpool der Litlaá. Diesmal versuchten wir es anfangs beide mit der Nymphe. Die Nymphenmontage ließ sich ganz gut am Rand der Hauptströmung halten und damit im vermeintlich heißen Bereich des Pools. Ich hatte dabei zwar ein wesentlich besseres Gefühl, als beim Fischen mit Streamer, aber der Erfolg stellte sich trotzdem nicht ein. Manfred versuchte es später noch mit einem stark beschwerten Streamer vom Damm direkt neben dem Einlaufrohr, aber das Ergebnis blieb das Gleiche. Der vermeintliche Top-Pool lag uns einfach überhaupt nicht!

Danach begannen wir beide an der Litlaá entlangzugehen und uns Stück für Stück flussabwärts zu fischen. Zuerst hielt ich im Bereich nach dem Einlaufpool, wo die Littlaá nur an die zehn Meter breit ist, Ausschau nach steigenden Fischen und entdeckte auch recht schnell einen oberflächenaktiven Fisch. Ich entschied mich gegen einen Versuch mit der Trockenfliege und band eine „Prince“-Nymphe in Hakengröße 10 ans Vorfach und fischte diese im „Wet-Swing“. Meine Nymphe wurde dann bereits beim zweiten Wurf attackiert. Die Forelle hakte sich selbst und sprang sofort aus dem Wasser. Der Drill dauerte nur ziemlich kurz, bevor die Bachforelle im Kescher lag. Der Fisch hatte wohl gute 35 Zentimeter, war auch wieder ausgesprochen gut genährt, um nicht zu sagen ziemlich fett. 

Anschließend ging ich weiter flussabwärts und schloss wieder zu Manfred auf, der schon vorausgegangen war. Ich machte hier und da ein paar Würfe, aber der folgende Bereich, wo sich eigentlich ein paar der besten Pools der Litlaá befinden, sah nicht besonders attraktiv aus. Das lag vor allem daran, dass in den tiefen Innenkurven, wo mit Sicherheit immer Fische stehen, jede Menge Krautfetzen herunterkamen und das Wasser teilweise auch sehr stark getrübt war. Vermutlich war das eine Folge des warmen und sonnigen Wetters, das die Algen und Wasserpflanzen in Fluss und See verstärkt wachsen ließ. Wir liefen deshalb relativ zügig etwa einen Kilometer flussabwärts und landeten wieder in dem Bereich des Flusses, wo wir uns bisher meistens aufgehalten hatten. Auch hier kamen zwar immer wieder Pflanzenreste runter, aber zumindest war das Wasser größtenteils deutlich klarer als weiter flussaufwärts.
 

Schild am Pool „Höfdaborg“ – An der Litlaá sind alle Pools entsprechend gekennzeichnet
Blick vom „Höfdaborg“ flussaufwärts
Pool „Höfdaborg“

Das Wetter war an diesem Tag extrem gut, die Sonne strahlte vom Himmel und das Thermometer im Auto zeigte später 22 Grad an. Der Sonnenschein sorgte dafür, dass wir an vielen Stellen erstmals bis zum Grund sahen und dadurch einige Fische spotten konnten, was an trüben Tagen wegen des zumeist dunklen Flussbodens eher schwierig ist. 

Die meisten der gesichteten Fische lagen im Bereich zwischen 30 und 40 Zentimetern, aber es waren auch ein paar deutlich größere zu sehen. Ich verzichtete überwiegend darauf, die kleineren Fische anzuwerfen, von denen vermutlich der ein oder andere fangbar gewesen wäre, und biss mich etwas länger an einem Fisch mit etwa zwei Kilo fest. Die Forelle stand in etwa einem Meter tiefen Wasser in mittlerer Strömung und war sehr aktiv. Sie bewegte sich in einem Radius von mehreren Metern und fraß immer wieder etwas im Mittelwasser. Ich stand am hohen Ufer etwa drei Meter über ihr und versuchte es nacheinander mit einem halben Dutzend verschiedener Nymphen. Sie schien meine Nymphe auch mehrmals zu sehen, war aber nicht im Geringsten interessiert, diese zu nehmen. Später versuchte ich es noch an einigen weiteren Stellen, aber das sonnige Wetter machte die Fischerei nicht einfacher, sodass wir unsere Vormittagssession kurz vor 13 Uhr ohne weiteren Biss beendeten.

Nach einem Nickerchen und gegrilltem „Lammburger“ (Lammhackfleisch auf Toast) brachen wir um 18 Uhr wieder auf und fuhren zuerst zum Skjálftavatn. Eigentlich hatten wir mit den Norwegern ausgemacht, dass wir am Abend wieder am See fischen, aber als wir dort ankamen, standen alle vier weit draußen im Wasser und machten keine Anstalten, den Platz zu räumen. Wir fuhren daraufhin zur Litlaá und starteten mal wieder am Pool „Veghylur“. Das Ergebnis war allerdings das Gleiche, wie bisher immer: Wir hatten keinen einzigen Biss!

Im Anschluss gingen wir wieder flussabwärts und ich versuchte es an verschiedenen Stellen abwechselnd mit Streamer und Nymphe. Es zog mich allerdings zügig an den Pool „Bugda“, in dem ich am Vortag die Zwei-Kilo-Bachforelle gefangen hatte. Ich erreichte den Pool so gegen 20 Uhr und versuchte es natürlich wieder mit Nymphe in Dead Drift. Da bei meiner 12er „Copper John“ vom Vorabend der Haken nach einem Hänger etwas aufgebogen war, startete ich mit einer größeren und schwereren Variante. Diese war aber augenscheinlich zu schwer und blieb innerhalb kurzer Zeit mehrfach am Grund hängen. Ich wechselte deshalb auf eine „Pheasant Tail“ in Größe 12 mit orangenem Bisspunkt, die sehr schön durch den Pool trieb. Trotzdem hatte ich die nächste knappe halbe Stunde keinen Biss und überlegte bereits, wo ich es als nächstes versuchen sollte.

Plötzlich zieht mein Bissanzeiger ganz am Ende der Driftstrecke doch noch vehement nach unten weg! Mein Anschlag sitzt und sofort springt ein silbernes Etwas einen knappen Meter senkrecht aus dem Wasser und fällt mit einem fetten Platscher wieder zurück. Die Forelle kämpft sehr aggressiv, wechselt immer wieder schnell die Richtung und macht einige dynamische Fluchten von fünf bis zehn Metern. Daneben springt sie noch vier weitere Male senkrecht aus dem Wasser! Bei jedem Sprung stockt mir kurz der Atem, aber ich kann zum Glück alle Sprünge und Fluchten erfolgreich parieren. Mittlerweile ist auch Manfred aufgetaucht und setzt sich hinter mir auf die Böschung und beobachtet den Drill. Als ich nach einigen weiteren Minuten langsam an die Landung denke, setzt die Forelle zu einer längeren Flucht flussabwärts an und ich befürchte kurz, dass sie nochmal beschleunigt und den Pool verlässt. Glücklicherweise kann ich sie aber im Pool halten und kurz darauf befindet sie sich wieder kurz vor mir. Durch das relativ lange Vorfach und den Bissanzeiger, der nicht durch die Ringe geht, stellt sich das Keschern aber gar nicht so einfach dar. 

Ich kurble den Bissanzeiger bis unmittelbar vor den Spitzenring, aber bei den ersten beiden Kescherversuchen zieht die Forelle jeweils wieder etwa einen halben Meter nach draußen, genau so weit, dass ich sie nicht mehr über den Kescher ziehen kann. Nach dem zweiten missglückten Versuch bitte ich schließlich Manfred, mir den Fisch zu keschern. Das klappt dann im zweiten Anlauf und vor uns liegt eine fast silberblanke, wohl ziemlich frisch aufgestiegene Meerforelle! Der Fisch hat 61 Zentimeter, wiegt 2,6 Kilogramm und hat mir den besten Drill der letzten Jahre geboten!
 

61er Meerforelle
Beim Releasen
Nahaufnahme
   
Nach dem aufregenden Fight mache ich – noch vollgepumpt mit Adrenalin -  eine Pause, schieße ein paar Bilder und überlasse Manfred den Platz. Eine knappe halbe Stunde später versuche ich es dann etwas oberhalb und bevor wir abbrechen, nochmal kurz an der Fangstelle, aber ebenso wie Manfred bekomme ich keinen weiteren Biss.
Erfolgspool „Bugda“
 Sonnenuntergang um kurz vor 22 Uhr
     
Zurück in unserer Unterkunft berichteten uns die Norweger, dass sie einen überragenden Tag am See hatten. Neben ungezählten Arktischen Saiblingen fingen sie zusammen acht Brown Trout, davon fünf mit über drei Kilogramm, die Größte mit über fünf Kilo! Dazu haben sie angeblich noch zwei deutlich größere Fische verloren. Gefangen haben sie die Forellen mit großen Streamern weit draußen im See. Kein Wunder, dass sie den Platz nicht verlassen haben…
 

02.08.2025

Da wir heute unbedingt wieder am Skjálftavatn fischen wollten, sind wir schon um 05:45 Uhr aufgestanden und waren nach einem schnellen Frühstück bereits um 06:45 Uhr am See. Leider war es an diesem Vormittag stark bewölkt und ziemlich windig. Die erste Stunde versuchten wir es beide mit dem Streamer -  in meinem Fall mal wieder mit einem „Black Ghost“ - weit draußen im See auf Forellen, hatten dabei allerdings beide keinen Biss.

Danach ging es am bekannten Platz auf Saiblinge und ich konnte nach etwa 10 Würfen einen kleineren Arctic Char mit etwa 40 Zentimetern auf eine 14er „Pink & Blue“-Nymphe fangen. Da das aber für längere Zeit der einzige Fisch war, beschlossen wir, zu einigen Plätzen zu gehen, die am südöstlichen Ende des Sees an und in einem Flusseinlauf lagen und an denen die Norweger am Vortag sehr erfolgreich auf Char gefischt hatten. Laut deren Aussage standen die Arktischen Saiblinge dort sehr konzentriert innerhalb nur weniger Quadratmeter. Wir fanden die Pools zwar, aber eine genaue Ortung der Arctic Char war uns wegen des Windes und der fehlenden Sonne nicht möglich. Wir versuchten es eine knappe Stunde dort, sind dann aber mangels Erfolg wieder zu unserem Stammplatz zurückgekehrt.
 

Heftig sprudelnde kalte Quelle 
„Steinafljót“ (Pool Nr. 76)
Seitenarm des Skjálftavatn
     
Nach einer erneut erfolglosen Streamerrunde, diesmal bei mir mit einer „Pink Dyrbittur“, probierten wir es wieder auf Saiblinge. Ich blieb dabei erfolglos, während Manfred zwei Chars überlisten konnte, von denen der Größere gut 45 Zentimeter hatte. Im Anschluss lief ich wieder mit der Streamerrute Richtung Seemitte, aber auch der dritte Versuch des Tages, diesmal mit einem „Olive Nobbler“, blieb erfolglos.

Als ich es gegen Mittag nochmal mit einer „Krókurinn“ an der Lavagesteinserhebung probierte, hakte ich nach wenigen Minuten einen Fisch, der mehrfach aus dem Wasser sprang, was eigentlich ziemlich untypisch für einen Arktischen Saibling ist. Nach kurzem Drill stellte sich der Fisch als Meerforelle mit gut 35 Zentimetern heraus. Kurz darauf beendeten wir unsere Vormittagssession. Die Norweger waren am Vormittag an der Litlaá und fingen ein paar Forellen, unter anderem zwei 58er am Einlaufpool („Veghylur“). 
 

Kleine Meerforelle aus dem Skjálftavatn
     
Nach Mittagessen, Nachmittagsschlaf und „Hygieneprogramm“ mit Duschen und Rasieren sind wir diesmal erst um 18:30 Uhr wieder losgekommen. Unser Plan für diesen Abend war, dass wir es einmal auf der anderen Uferseite der Litlaá versuchen wollten. Dazu sind wir – wie üblich – den Feldweg auf der flussab rechten Seite etwa einen Kilometer entlanggefahren, bis zu der Stelle, an der wir es am ersten Abend mit der Trockenfliege versucht hatten. Etwas oberhalb schien uns die Litlaá relativ flach zu sein und wie erwartet, konnten wir den Fluss dort ohne Probleme queren. 

Auf der - flussab gesehen - linken Seite war das Ufer meistens deutlich flacher und wir hatten dort an vielen Stellen, die uns attraktiv erschienen, einen wesentlich besseren Zugang zum Wasser. Ich hielt mich die meiste Zeit des Abends am Pool „Bugda“ auf, in dem ich an den Abenden zuvor die beiden größeren Forellen fangen konnte. Von der linken Seite waren vor allem der Pooleinlauf und die oberen zwei Drittel des Pools besser zu befischen, was ich auch ausgiebig und leider erfolglos tat. Bedauerlicherweise war genau die Driftbahn, in der ich die Forellen gefangen hatte, von der linken Seite wesentlich schwieriger zu befischen. Zum einen, da ich annähernd zwanzig Meter weit werfen musste, um überhaupt dorthin zu kommen, zum anderen, da mir die tiefstehende Sonne direkt ins Gesicht schien und ich meine Schnur und meinen Bissanzeiger auf diese Entfernung deswegen kaum mehr erkennen konnte. 
 

Pooleinlauf „Bugda“
Der obere Teil des Pools
       
Ich wechselte deshalb nach einigen erfolglosen Würfen die Stelle und versuchte es in den nächsten beiden Kurven stromab, hatte aber weder auf Nymphe, noch auf Streamer, einen Biss. Manfred versuchte es noch an einigen weiteren Stellen, hatte aber ebenso den ganzen Abend keinen einzigen Biss. Wir beendeten die Fischerei gegen 22:30 Uhr, kurz nachdem die Sonne komplett hinter dem Horizont verschwunden war.
         
Poolauslauf „Bugda“ (Pool 60) – im Hintergrund Pool Byttuhóll
Tiefstehende Sonne über dem Pool Byttuhóll (Pool 57)
Sonnenuntergang über der Litlaá
        
Unsere Mitbewohner fingen am Abend im See einige Saiblinge bis 1,7 Kilogramm, teilweise mit großen Chernobyl Ants, von denen wir dann noch jeweils zwei geschenkt bekamen.
 

03.08.2025

Auch an diesem Morgen trafen wir bereits wieder um kurz nach 7 Uhr am See ein. Zu unserer Überraschung tat sich die ersten knapp drei Stunden aber überhaupt nichts. Weder weit draußen mit Streamer, noch am „Charhügel“ mit Trockenfliege und Nymphe. Gegen 10 Uhr kamen dann die Norweger an den Skjálftavatn und begannen auch alle vier dort zu fischen, obwohl offiziell ja nur zwei Ruten am See erlaubt sind. Diese Regel ist an einem See mit neun Quadratkilometern natürlich auch ziemlicher Blödsinn, weshalb wir beschlossen, uns die letzten Tage auch nicht mehr daran zu halten…

Anschließend habe ich es erneut – diesmal mit einem schwarzen Woolly Bugger - auf Forellen versucht, blieb aber genauso wie Manfred und die Norweger vorerst erfolglos. Danach versuchte ich es wieder am „Charhügel“ und konnte zumindest noch einen kleineren Saibling fangen und hatte noch einen weiteren Biss. Die Norweger konnten vor ihrem „Basislager“ direkt am Ufer in kürzester Zeit einige Arctic Char fangen, teilweise drillten sie sogar zu zweit oder zu dritt. Auf Grund unseres überschaubaren Erfolgs an diesem Vormittag brachen wir diesmal schon um 12 Uhr auf und haben uns ein paar Lammkoteletts zum Mittagessen gegrillt.
 

Skjálftavatn bei leichter Brise

Gegen 17 Uhr brachen wir nach einem Mittagsschläfchen wieder zum Skjálftavatn auf. Wie meistens, versuchten wir es zuerst an unserer Saiblingsstelle und Manfred konnte schon nach kurzer Zeit einen guten Fisch haken. Der Fisch zog deutlich nach draußen und war zwischenzeitlich sogar kurz im Backing. Manfred befürchtete schon, dass es sich wieder um einen von außen gehakten Saibling handeln könnte, aber zu unserer Überraschung entpuppte sich der Fisch als Bachforelle mit 56 Zentimetern und ziemlich genau zwei Kilogramm.
           
Manfred mit 2-Kilo-Forelle
Mach‘s gut!
          
Nachdem ich ein paar Bilder von Manfreds Forelle geschossen hatte, ging ich erneut zu unserer Saiblingsstelle und hakte direkt mit dem ersten Wurf nach vielleicht drei Sekunden den ersten Arktischen Saibling des Nachmittags. Dem Fisch mit etwa 45 Zentimetern folgte schon wenige Würfe später der nächste, der wohl knapp an die 50 Zentimeter herankam. Danach kehrte wieder Ruhe ein und wir versuchten es mal wieder für eine Stunde erfolglos mit dem Streamer in den Weiten des Sees.
         
Saibling mit knapp 50 Zentimetern
Auf Wiedersehen!
         
Später widmeten wir uns wieder den Chars und während ich nur einen kleineren Saibling auf meine „Krókurinn“ haken und landen konnte, fing Manfred in relativ kurzer Zeit vier Stück. Die ersten beiden regulär, die anderen zwei hatten seine Nymphe jeweils in der Schwanzwurzel sitzen, weshalb sich die Drills auch beide Male länger hinzogen.
           
Saibling von Manfred
Einzelne Wolke über dem Skjálftavatn
       
Da die Saiblinge mit langsam einsetzender Dämmerung und abnehmendem Wind immer aktiver an der Oberfläche wurden und wir von den „foul“ gehakten Fischen auf Nymphen zunehmend genervt waren, wechselten wir beide auf die geschenkten „Chernobyl Ants“ vom Vortag. Manfred entscheid sich für die kleinere Variante in Größe 12, ich montierte einen größeren „Brummer“ in Größe 8, auch deshalb, weil das Hakenöhr der kleineren „Chernobyl Ant“ verklebt war. Obwohl regelmäßig Chars an der Oberfläche zu sehen waren, hatten wir zunächst längere Zeit keinen Biss und ich überlegte bereits, erneut die Fliege zu wechseln. Manfred hatte dann als Erster einen „Take“ auf die an der Oberfläche furchende „Chernobyl Ant“ und konnte einen schönen Arktischen Saibling mit knapp drei Pfund haken und nach längerem Drill auch landen. 

Ich entschied mich deshalb dafür, der Fliege noch etwas Vertrauen zu schenken und wurde schon während Manfreds Drill dafür belohnt, als sich ein Fisch die „Chernobyl Ant“ mit einem fetten Platscher von der Oberfläche holte! Der Widerstand ist ziemlich heftig und ich gehe deshalb anfangs von einem großen Arctic Char aus. Der Fisch macht aber keine längeren Fluchten, sondern wechselt immer wieder schnell die Richtung und versucht, den Haken an den Lavasteinen loszuwerden. Er kommt auch mehrmals zur Oberfläche und verursacht dabei jeweils einen heftigen Schwall. Aufgrund des Verhaltens des Fisches beginne ich langsam auf eine große Forelle zu spekulieren. Der Drill verläuft ansonsten eher unspektakulär und spielt sich größtenteils mitten im Schwarm der Arktischen Saiblinge ab, die dabei immer wieder erschrocken davonspritzen. 

Als der Fisch sich erneut kurz an der Oberfläche wälzt, bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich um eine Forelle handelt. Kurz danach ist der Fisch bereits in Rutenentfernung vor mir und ich kann ihn zum ersten Mal kurz aus der Balance bringen. Ich nehme daraufhin meinen Kescher vom Rücken und versuche, die Forelle darüber zu ziehen. Die ersten beiden Versuche misslingen mir, da der Fisch fast zu groß für den Kescher ist und nochmal seine letzten Reserven mobilisiert. Mein Puls geht nach oben und mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf! Diesen Fisch möchte ich auf keinen Fall noch verlieren! 

Beim dritten Anlauf rutscht die Bachforelle - zu meiner großen Erleichterung und Freude - dann schließlich ins Keschernetz! Yesss! Vor mir liegt die größte Bachforelle meines Lebens! Die Brown Trout hat ein beeindruckendes Schwanzruder, große Brustflossen und die beiden Kiemendeckel schimmern in einem dunklen Blauton! Die Kescherwaage zeigt ein Gewicht von 3,9 Kilogramm an, das Messen am Ufer ergibt eine Länge von ungefähr 74 Zentimetern! Nach ein paar schnellen Fotos setze ich die Forelle sorgsam zurück und sie verschwindet mit einigen kräftigen Schlägen ihrer Schwanzflosse zügig wieder im Skjálftavatn! Was für ein Fisch!
 

Endlich im Kescher!
74er Bachforelle – im Maul sieht man die „Chernobyl Ant“
Charakterkopf mit bläulich schimmerndem Kiemendeckel
Und tschüss!
             
Da es mittlerweile schon fast dunkel geworden war, packten wir unsere Sachen unmittelbar danach zusammen und beendeten unsere erfolgreiche Abendsession. Auf dem Weg zum Auto bemerkten wir, dass es an diesem Abend sehr schnell abgekühlt hatte. Das Thermometer im Auto zeigte nur noch sieben Grad an. In unserer Unterkunft gab es noch eine Brotzeit und wir stießen mit einem Bier und Whiskey-Cola auf den gelungenen Abend an.

Fun-Fact: Damit habe ich nun meine vier größten Bachforellen allesamt mit Trockenfliegen gefangen! In jedem meiner vier Island-Urlaube eine davon.
 

04.08.2025

Heute sind wir etwas später aufgestanden und kamen erst kurz nach 8 Uhr am See an. Wir versuchten es diesmal zuerst an der Stelle der Norweger, da diese meist erst später am See auftauchten, dafür aber den ganzen Tag blieben und dort auch die Mittagspause verbrachten. Das Wetter war wieder sehr schön und der Skjálftavatn lag anfangs völlig windstill vor uns. Am Stammplatz der Norweger befinden sich direkt am Ufer mehrere kalte Quellen, die die Arktischen Saiblinge anlocken. Auf Grund der Windstille konnten wir im klaren Wasser sogar einige Saiblinge sehen und auch an der Oberfläche waren immer wieder Fische aktiv. Die Chars schwammen aber meist ziemlich unruhig umher und waren auch eher zickig! 
Zudem war ich an diesem Vormittag auch viel mit mir selbst beschäftigt und habe es in einer knappen halben Stunde geschafft, gefühlt mehr Windknoten und sonstige Verwicklungen zu produzieren, als im ganzen sonstigen Urlaub zusammen. Insgesamt habe ich in dieser Phase mein Tippet sage und schreibe dreimal erneuert. Nach etwa einer Dreiviertelstunde hatte ich dann endlich einen Biss auf meine “Krókurinn“. Im Unterschied zu den meist subtilen Saiblingsbissen, die wir bisher bekamen, „knallte“ dieser Arctic Char voll auf meine Nymphe! Nach einem kurzen Drill konnte ich einen Char mit 1,6 Kilogramm und 52 Zentimetern landen, was zu diesem Zeitpunkt – mit Ausnahme der „foul“ gehakten – mein größter in diesem Urlaub war.
 

Saiblingsportrait
Arctic Char mit 52 Zentimetern
Auf dem Weg zurück in den Skjálftavatn
            
In der nächsten halben Stunde hatte ich dann nur noch zwei zarte Anfasser und bin deshalb wieder an unseren gewohnten Platz gewechselt. Dort konnte ich, trotz einiger an der Oberfläche aktiver Chars, nur einen Fisch kurz haken und habe es anschließend mal wieder ein Stündchen vergeblich mit dem Streamer versucht. 

Der See war an diesem Vormittag klarer als sonst und ich konnte beim Herauswaten vom Streamern im vielleicht 50 Zentimeter tiefen Wasser auch zwei größere Fische – vermutlich Forellen – kurz vor dem Ufer spotten. Die erste flüchtete sofort, die zweite konnte ich zumindest anfischen, aber Lust auf meinen Streamer hatte sie leider auch nicht.

Als wir es anschließend wieder an unserem „Charhügel“ versuchten, fiel uns auf, dass die Saiblinge heute tatsächlich Insekten von der Wasseroberfläche fraßen, nicht - wie meistens sonst - knapp darunter. Da auf dem Wasser zudem einige Mücken zu sehen waren, knotete ich einen schwarzen Buzzer mit gestutzter weißer Hechel in Größe 16 ans Vorfach und fettete diesen vor dem ersten Wurf noch etwas ein. Es dauerte dann tatsächlich nur wenige Sekunden, bis meine Idee aufging und der Buzzer zart von der Oberfläche genippt wurde. Mein Anhieb saß und ich konnte nach kurzem Drill einen Arktischen Saibling mit gut 45 Zentimetern landen. Der Buzzer entpuppte sich aber leider nicht als der große Gamechanger und im weiteren Verlauf kehrte wieder Ruhe am Saiblingsplatz ein. Wir beendeten unsere Vormittagssession um halb eins und fuhren zur Unterkunft zurück. Manfred hatte an diesem Vormittag insgesamt drei Fische kurz im Drill, die er aber allesamt verlor.

Unsere Abendsession startete gegen 17 Uhr und als wir wieder am Skjálftavatn ankamen, war es sehr windig und das Wasser war dadurch wesentlich trüber als am Vormittag. Ich startete bei deutlichem Wellengang mit einer „Copper John“ an der Lavagesteinserhebung und es dauerte nur wenige Minuten, bis ich den ersten Arctic Char mit etwa 40 Zentimetern haken und landen konnte. Beim darauffolgenden Wurf folgte gleich der zweite Saibling in ähnlicher Größe. Auch Manfred fing kurz darauf seinen ersten Char des Tages und war wenig später erneut am Drillen. Diesmal zog sich der Drill deutlich länger hin und wir befürchteten schon, dass der Fisch wieder „foul hooked“ war. Das bestätigte sich diesmal zum Glück nicht und ich konnte Manfred einen richtig schönen und vor allem auch fetten Arctic Char keschern. Der Fisch hatte bei „nur“ 58 Zentimetern Länge ein Gewicht von 2,6 Kilogramm und war damit der mit Abstand schwerste Arktische Saibling, den wir in diesem Urlaub fingen und auch Manfreds neuer Rekordsaibling.
 

Manfred mit 58er Char
Good bye!
               
Danach fingen wir beide ziemlich regelmäßig weitere Chars: Mit dem Unterschied, dass Manfreds Fische regulär gehakt waren, ich dagegen drei Saiblinge in Folge von außen hakte. Einer davon hatte die Nymphe hinter der Brustflosse, die beiden anderen in der Nähe der Schwanzwurzel. Die Fischdichte über dem Lavagestein schien heute nochmal höher zu sein, als an den Vortagen und meine „Copper John“ war wohl auch einfach zu schwer für die Stelle. Ich wechselte deshalb in der Folge mehrfach die Fliege: Zuerst versuchte ich eine „Chernobyl Ant“, danach eine unbeschwerte Nymphe („Alma Run“) und dann noch den schwarzen Buzzer vom Vormittag, allerdings blieb ich mit allen dreien ohne Erfolg.

Nach einer kurzen Pause versuchte es Manfred mit einer Buck Caddis in Größe 12 und fing damit innerhalb kürzester Zeit zwei Chars. Daraufhin band ich als alter Opportunist auch eine Rehhaarsedge in ähnlicher Größe ans Vorfach. Damit hatten wir für diesen Abend genau die richtige Fliege gefunden! Wir strippten die Sedges langsam heran und es war ziemlich egal, ob die Fliegen auf der Oberfläche furchten oder bereits leicht abgesunken waren. Es dauerte jetzt selten länger als drei Würfe, bis wir den nächsten Biss bekamen! Ich fing so innerhalb einer halben Stunde vier gute Arctic Char, wovon die beiden größeren 1,4 und 1,5 Kilogramm hatten. Die Saiblinge kämpften alle sehr gut und machten am Anfang des Drills meistens erstmal eine längere Flucht. Wir drillten sogar mehrmals gleichzeitig und mussten dabei aufpassen, uns nicht ins Gehege zu kommen. 
Nachdem ich dann einen Fisch im Drill verlor, der mir den Haken der Rehhaarsedge leicht aufbog (was nicht an dessen Größe lag), wechselte ich bei hereinbrechender Dämmerung auf eine „Superpupa“. Diese brachte mir in der letzten Viertelstunde die letzten beiden Fische des Tages mit jeweils etwa 45 Zentimetern. Damit hatte ich an diesem Tag insgesamt zehn Arctic Char gefangen, wobei ich die von außen gehakten natürlich nicht mitgezählt habe. Manfred fing seinen letzten Fisch des Abends mit einer „Chernobyl Ant“ und dürfte bei einer ähnlichen Gesamtzahl gelandet sein.
 

Arktische Saiblinge im Licht der tiefstehenden Sonne...

Unter Wasser
Sonnenuntergang über dem Skjálftavatn
              
Da es kurz vor Sonnenuntergang gegen 22 Uhr wieder empfindlich kalt wurde, beendeten wir den Tag und fuhren zurück. Die Norweger waren heute nur zu zweit am See und fingen zwei Brown Trout, die größere mit etwa vier Kilogramm.
 

05.08.2025

Heute war leider schon der letzte Angeltag unserer diesjährigen Islandreise und wir hofften nochmal auf einen erfolgreichen Tag. Als wir gegen 08:30 Uhr am Skjálftavatn ankamen, lag der See wieder fast komplett windstill vor uns. Wir starteten auf Char, die auf Grund des fehlenden Windes und des dadurch sehr klaren Wassers aber ziemlich „spooky“ waren. Manfred fing die ersten beiden Chars mit jeweils gut 40 Zentimetern schließlich auf eine kleine schwarze Trockenfliege an der Oberfläche. Ich versuchte es daraufhin wieder mit meinem Buzzermuster und konnte damit auch recht schnell einen Fisch fangen. Leider stellte sich heraus, dass man es sogar mit einer 16er Trockenfliege schaffen kann, einen Fisch von außen zu haken…
 

Manfred beim Fischen auf Arktische Saiblinge
Still ruht der See – Im Vordergrund eine der kalten Quellen
        
Anschließend versuchten wir es wieder weiter draußen im See auf Forellen, diesmal allerdings erstmal mit den 6er Ruten, mit denen wir auf Saiblinge gefischt hatten. Bei mir kam eine „Krókurinn“ zum Einsatz, Manfred band einen kleinen Kettenaugenstreamer mit Grizzly-Hechel ans Vorfach. Er hatte dann auch schnell den ersten Biss und konnte nach einem kurzen Drill eine Forelle mit knapp 50 Zentimetern und einem guten Kilo landen, bei der es sich wohl um eine Meerforelle handelte. 
         
Knapp 50er Meerforelle im Kescher
Ganz nah!
        
Ich entschied mich daraufhin, doch wieder auf meine meist zum Streamern genutzte Orvis Helios 3 F in Klasse 7 zu wechseln, da ich damit einfach noch den ein oder anderen Meter weiter werfen kann. Während ich die etwa 100 Meter ans Ufer und wieder zurück in den See gelaufen bin, hatte Manfred bereits die nächste Forelle im Drill. Der Fisch machte eine lange erste Flucht Richtung Seemitte und sprang dabei mehrfach aus dem Wasser. Ich schätzte den Fisch nach den ersten Sprüngen auf etwa drei Kilo, Manfreds erste Schätzung lag sogar noch ein Stück darüber. 
Als ich ihm die Brown Trout einige Minuten und ein paar Fluchten später keschern konnte, waren wir beide etwas erstaunt, dass der Fisch „nur“ 2,7 Kilogramm hatte. Gemessen hat die Bachforelle 59 Zentimeter.
 
59er Brown Trout im Kescher
Manfred mit seiner 2,7 Kilogramm Bachforelle
          
Nachdem ich ein paar Fotos von Manfreds Forelle gemacht hatte, fischte ich an seinem Platz weiter. Er erzählte mir, dass sich an der Stelle immer wieder Fische in Wurfweite an der Oberfläche gezeigt hätten und sich wohl ein Schwarm Forellen dort aufhielt. Es zeigten sich in der Folge zwar noch mehrmals Fische an der Oberfläche, von denen ich zwei in einer Entfernung von vielleicht zehn Metern auch direkt anwerfen konnte, einen Biss bekam ich die nächsten eineinhalb Stunden aber leider keinen. Um 13 Uhr ging es dann zurück zum Guesthouse und wir machten uns die restlichen Lammkoteletts auf dem Grill.

Zu unserer letzten Abendsession sind wir bereits gegen 16:30 Uhr aufgebrochen. Im Gegensatz zum Vormittag und zur Wettervorhersage war es ziemlich windig am See. Manfred wartete deshalb erstmal ab, ich bin wie üblich zum „Charplatz“ gegangen. Als Köder hatte ich wieder eine Rehhaarsedge in Größe 10 angeknotet und konnte damit – trotz des starken Wellengangs – bereits nach einer knappen Viertelstunde einen Arktischen Saibling mit gut 40 Zentimetern überlisten. Nach einer weiteren Viertelstunde fing ich bereits den nächsten Char, der mit gewogenen 1,7 Kilogramm der für mich bisher größte Saibling der Woche war. Der Drill war diesmal enttäuschend kurz, was vermutlich daran lag, dass es sich wohl um einen „Local Char“ handelte, die – so zumindest unser Eindruck der letzten Tage – deutlich weniger Power hatten, als ihre frisch aus dem Atlantik aufgestiegenen Verwandten. 
 

Arctic Char mit 1,7 Kilogramm ...

           
Da ich danach keine weiteren Bisse mehr bekam und einer der Norweger kurz hintereinander zwei Forellen auf Streamer gefangen hatte, schnappte ich mir meine Streamerrute und bin mal wieder in den Skjálftavatn hinausgestapft. Diesmal hatte ich eine „Black Dyrbittur“ ans 28er Nylonvorfach geknüpft, nachdem mein 28er Fluocarbon am Vormittag zu Ende gegangen war. Ob das einen Unterschied machen sollte?

Als ich nach einer guten Stunde – bis zum Bauchnabel im Wasser stehend – bereits langsam leicht zu frieren begann, kam endlich der langersehnte und fast nicht mehr erwartete Biss! Nach bestimmt über zehn Stunden vergeblichen Streamerfischens in den letzten Tagen, konnte ich endlich einen Fisch haken. Die Forelle kämpfte nicht schlecht, nahm mir mehrmals ein paar Meter Schnur ab und sprang ein paar Mal aus dem Wasser. Letztlich hatte sie am Streamergerät aber wenig Chancen und ich konnte die golden gefärbte und gut genährte Brown Trout nach einigen Minuten problemlos selbst keschern. Der Fisch hatte bei einer Länge von 51 Zentimetern immerhin 1,8 Kilogramm.
 

Brown Trout mit 1,8 Kilogramm
Beim Zurücksetzen
51er Bachforelle im Portrait
          
Als ich nach einer kurzen Fotosession wieder an den Fangplatz zurückgekehrt war, hatte ich bereits beim zweiten Wurf den nächsten Biss und die nächste Forelle am Haken. Da es sich diesmal um eine eher kleinere Bachforelle mit vielleicht 45 Zentimetern und etwa einem Kilo handelte, war der Drill ziemlich schnell beendet und die Forelle rasch zurückgesetzt. 

Danach zog ich etwa 10 bis 12 Meter Schnur von der Rolle ab und machte den nächsten Wurf. Unglaublicherweise hatte ich trotz des kurzen Wurfes gleich den nächsten Biss! Diesmal war der „Einschlag“ deutlich heftiger und die Forelle kam sofort in ganzer Länge aus dem Wasser. Der Fisch sah im ersten Moment ziemlich silbern aus – was auf eine Meerforelle schließen ließ - und war auf jeden Fall ein Stück größer, als die beiden vorherigen Brown Trout. Die Forelle zog mir rasch einige Meter Schnur von der stramm eingestellten Rolle und sprang erneut aus dem Wasser. Nach dem dritten oder vierten Sprung verlor ich den Kontakt zum Fisch und dachte zuerst, dass er auf mich zu schwamm. Ich habe deshalb möglichst schnell Schnur aufgekurbelt, aber die Forelle hatte sich wohl bereits beim Sprung verabschiedet. Da der Streamer unbeschädigt war, lag das entweder am widerhakenlosen Haken oder war einfach nur Pech. Auf der einen Seite natürlich sehr schade, andererseits hatte sich die Forelle das durch den tollen Kampf auf jeden Fall verdient!

So verrückt ist unser Hobby manchmal! Nach kumuliert über zehn Stunden Streamern ohne einen einzigen Biss in den letzten Tagen, konnte ich innerhalb von vier (!) Würfen drei Forellen haken. Man macht sich tagelang Gedanken, ob man das richtige Muster in der richtigen Größe fischt, ob man schneller oder langsamer einstrippen soll oder was für ein Vorfach man benutzen soll. Vermutlich ist das alles ziemlich egal und man muss einfach „nur“ zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein, wenn gerade ein Schwarm Forellen vorbeizieht! Vor diesem Hintergrund ist es im Skjálftavatn oder ähnlichen großen Seen wahrscheinlich eine gute Taktik, wenn von mehreren Fischern immer zumindest einer mit dem Streamer auf Forellen fischt und der oder die anderen sofort „eingreifen“, sobald sich Fische bemerkbar machen. So haben es die Norweger meistens gemacht und waren dadurch ziemlich erfolgreich am Skjálftavatn.

Nach der dritten gehakten Forelle kehrte leider wieder Normalität ein und ich blieb die nächste Stunde ohne weiteren Biss. Danach versuchte ich es mit einem „Stimulator“ in Größe 10 auf Arctic Char und hatte darauf zwar zwei Bisse, konnte aber keinen der Fische haken. 
 

Dunkle Wolken über dem Skjálftavatn
Nur eine halbe Stunde später liegt der See im grellen Licht der untergehenden Sonne
             
Gegen 21 Uhr watete ich zum letzten Mal in diesem Urlaub in den See hinaus und startete einen letzten Versuch mit dem Streamer auf Forellen. Natürlich blieb die „Black Dyrbittur“ am Vorfach und ich hatte bereits beim zweiten Wurf erneut einen Biss. Bedauerlicherweise blieb der Fisch aber nicht hängen und in der restlichen halben Stunde, die ich noch streamerte, tat sich nichts mehr.

Manfred hatte in der Zwischenzeit bereits drei oder vier Arktische Saiblinge gefangen, die alle um die 50 Zentimeter und an die drei Pfund hatten. Ich wollte den letzten Abend auch noch gerne mit einem oder zwei Chars beschließen, bevor es dunkel wurde und versuchte es nochmals mit dem langsam gezogenen „Stimulator“. Der bescherte mir zwar schnell hintereinander zwei weitere Bisse, aber scheinbar war der „Stimulator“ so dicht behechelt, dass der Haken nicht vernünftig greifen konnte. 

Ich wechselte deshalb, trotz der bereits hereinbrechenden Dunkelheit, nochmal auf eine Rehhaarsedge und konnte damit bereits nach wenigen Würfen einen Saibling haken. Der Drill verlief ohne größere Fluchten nach draußen und ich konnte den Char bereits nach kurzer Zeit über meinen Kescher führen. Als der Fisch im Kescher lag, fiel mir sofort auf, dass der Saibling zwar extrem schlank, dafür aber ziemlich lang war. Die Kescherwaage zeigte ein Gewicht von genau zwei Kilogramm an, das Messen am Ufer ergab eine Länge von 64 Zentimetern. Damit war der letzte Arktische Saibling des Urlaubs gleichzeitig auch mein schwerster und mit Abstand längster. Nach ein paar Bildern vom Fisch ließen wir es bewenden und packten unsere Sachen zusammen. 
 

Manfred fischt bei tiefstehender Sonne am Lavagestein auf Arctic Char
Einer von Manfreds Saiblingen
Extrem schlanker Saibling mit 64 Zentimetern
Der letzte Saibling des Urlaubs darf natürlich auch wieder schwimmen
                      
Die letzte Session am See war ein absolut gelungener Abschluss unserer Woche an der Litlaá und am Skjálftavatn und wir fuhren hochzufrieden zu unserer Unterkunft zurück. Dort gab es nochmal Eier mit Speck, womit unsere Lebensmittelvorräte, bis auf etwas Toast und Wurst für das morgige Frühstück, fast aufgebraucht waren. Anschließend packten wir noch einen Großteil unseres Gepäcks in unsere Trolleys, da wir uns am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück auf den Weg nach Keflavik machen wollten, was etwa sieben Stunden dauern sollte.
 

06.08.2025

Als ich um etwa 06:45 Uhr aufstand, war Manfred schon längst wach, hatte bereits gefrühstückt und machte einen ziemlich nervösen Eindruck. Ihn stresste der Gedanke, dass wir ungefähr 550 Kilometer bis nach Keflavik fahren mussten, um unseren Subaru bis spätestens 17 Uhr beim Mietwagenverleih abzugeben. 

Wir brachen dann – wie geplant – um kurz nach 8 Uhr auf, nachdem wir uns von den Norwegern verabschiedet hatten. Nach mehreren kleinen Pausen erreichten wir unser Hotel in Keflavik bei leichtem Nieselregen um etwa 15:30 Uhr, ziemlich genau so, wie wir uns das vorher ausgerechnet hatten. Nachdem wir unser Gepäck ins Zimmer gebracht hatten, fuhren wir gleich zur Mietwagenfirma und gaben unseren Wagen zurück. Die Rückgabe verlief unproblematisch, außer, dass wir dort erfuhren, dass die Abrechnung der Maut für die Befahrung des Tunnels hinter Akureyri nicht standardmäßig über die Mietwagenfirma abgerechnet wird. Wir hätten die Maut online zahlen sollen und mussten jetzt einen Aufschlag auf den Normalpreis zahlen. 

Es dauerte dann leider fast eine halbe Stunde, bis der Shuttlebus der Mietwagenfirma kam, der die Kunden normalerweise direkt zum Flughafen bringt. Da unser Flug aber erst am nächsten Morgen ging, ließ uns der Fahrer an der Abzweigung nach Keflavik raus und wir liefen die verbleibenden zwei Kilometer zu unserem Hotel zurück. Nachdem wir für den nächsten Morgen um 5 Uhr ein Taxi bestellt hatten, brachen wir gleich wieder zu einem Burger-Restaurant auf, das wir auf dem Weg zum Hotel schon gesehen hatten. Dort aßen wir beide erneut Burger mit Pommes. Beides war erneut sehr lecker und die Portionen waren auch ziemlich groß. Nach dem Essen ging es zurück ins Hotel „Jazz“, wo wir beide den Großteil unseres Gepäcks in Trolley und Rucksack verstauten. Wir verteilten dabei unsere Sachen wieder so, dass das Gewicht der Trolleys möglichst unter den erlaubten 23 Kilo blieb. Wir duschten dann noch beide und gingen danach früh ins Bett, da der Wecker bereits um 4 Uhr läuten sollte.
 

07.08.2025

Wie geplant, standen wir um 4 Uhr auf und eine Viertelstunde später ging es zum Frühstück. Dort war alles in Selbstbedienung: Wurst, Käse, Butter, Getränke und einiges mehr, waren in einem großen Kühlschrank deponiert und unter dem Strich hat auch ohne anwesendes Personal alles reibungslos funktioniert. Nach dem Frühstück haben wir noch die restlichen Utensilien, wie unsere noch feuchten Watschuhe, in Trolley und Rucksack gestopft und sind kurz vor 5 Uhr zur Straße gegangen. Unser Taxi erschien um kurz nach 5 Uhr und brachte uns in wenigen Minuten zum Flughafen Keflavik. Die umgerechnet circa EUR 35 waren dafür schon relativ heftig! Aber leider (?) wurde unsere ursprünglich gebuchte Unterkunft für die Nacht vor dem Rückflug von den Behörden dichtgemacht und wir mussten deshalb kurzfristig umdisponieren. Neben dem deutlich höheren Preis für die Übernachtung mussten wir deshalb auch den Transfer zum Flughafen zusätzlich bezahlen, der bei der ursprünglichen Buchung inklusive gewesen wäre.

Unser Abflug erfolgte – wie schon gewohnt – leicht verspätet, die Ankunft in Erding war dagegen fast wieder pünktlich. Zufälligerweise saß ich im Flugzeug direkt neben einem anderen Fliegenfischer, wodurch die dreieinhalb Stunden Flug sehr kurzweilig waren und wie „im Flug“ vergingen. 
Diesmal musste ich nach der Landung relativ lange auf meinen Trolley warten, aber als ich langsam begann, mir Sorgen zu machen, erschien er zum Glück doch noch auf dem Laufband. Mein Sohn kam dann auch zeitnah mit dem Auto und die letzte Etappe der Reise verlief ohne Komplikationen.
 

Fazit:

Bei unserer vierten Reise nach Island hatten wir – wie bisher immer – eine tolle Zeit und auch fischereilich gesehen war der Urlaub - mit Ausnahme der zwei Tage Lachsfischen – durchaus erfolgreich!

Die Lachsfischerei war leider ein ziemlicher Reinfall, obwohl die Hvannadalsá ein sehr schöner, glasklarer Fluss in einer tollen Umgebung ist. Auch die Selbstversorger-Lodge ließ keine Wünsche offen. Aber das alles ist letztendlich nur ein geringer Trost, wenn der Wasserstand so niedrig ist, dass sich fast keine Lachse im Fluss befinden. Da sich solche Situationen bei langfristiger Buchung aber nie ganz vermeiden lassen werden, versuchen wir möglichst, an mehreren Gewässern zu fischen, um das Risiko schlechter Bedingungen etwas zu „streuen“.

Die Tage an der Litlaá und vor allem am Skjálftavatn waren dagegen ein voller Erfolg! Wir hatten im Vorfeld gehört und gelesen, dass die Litlaá weder ein kleiner, noch ein einfacher Fluss sei, aber die „Belohnungen“ groß sein können. Das hat sich alles absolut bestätigt! Das größtenteils gute Wetter war zwar einerseits sehr angenehm, andererseits hat es die Fischerei in der Litlaá durch massenhaft abtreibende Pflanzenreste und teilweise auch sehr trübes Wasser definitiv erschwert. 

Die Fischerei im Skjálftavatn war auf jeden Fall deutlich einfacher und die Arktischen Saiblinge – so man sie gefunden hatte – waren meistens recht kooperativ. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zur über lange Strecken doch eintönigen und teilweise auch etwas frustrierenden Fischerei mit dem Streamer auf Forellen. Zudem hatten wir beide das Glück, bei der Fischerei auf Saiblinge noch mehrere Forellen zu fangen, darunter zwei absolute Traumfische!

Wir haben uns in den letzten drei Tagen ausschließlich auf den Skjáltavatn konzentriert und sind damit sicherlich den einfacheren Weg gegangen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir uns auch die Litlaá Stück für Stück weiter „erarbeiten“ hätten können und auch dort noch den ein oder anderen tollen Fisch gefangen hätten. 

Wir können Litlaá und Skjálftavatn wirklich absolut empfehlen und werden selbst sicher wieder zurückkehren! Man sollte sich allerdings darauf einstellen, dass vor allem die Litlaá nicht einfach zu befischen ist und dort auch mehrere Tage (am besten eine ganze Woche) einplanen, um den Fluss einigermaßen kennenzulernen. Zudem kann das Wetter im Nordosten Islands – unweit des Polarkreises – auch noch zu weiteren Herausforderungen führen, denen wir uns diesmal zum Glück nicht stellen mussten. Beim nächsten Mal werden wir vermutlich versuchen, einen etwas späteren Termin Ende August/Anfang September zu bekommen, da um diese Zeit der Meerforellenaufstieg in vollem Gang sein sollte.
 


Reiseinformationen:
• Weitere Infos und Buchungsmöglichkeiten: Pukka Destinations
• Der Autor steht gerne für Reiseinformationen zur Verfügung (Anfragen gerne über die FF-Redaktion, wir leiten sie an den Autoren weiter.)
Island Infos & nützliche Links:
• Übersicht über viele Gewässer und Fliegen etc.: (Klick)
• Fangstatistiken vieler Lachsflüsse: (Klick)
• Tägliche Fänge mit Länge, Gewicht, Pool und Köder, interaktive Karten, Gezeitentabellen etc. (Funktioniert als App (Angling IQ) aber besser als über die Website.): (Klick)
• Die 36-Seen-Angelkarte „Veiðikortið“: (Klick)
• Fliegenmuster für die Thingvallavatn-Fischerei: (Klick)
• Sehenswürdigkeiten im „Golden Circle“: (Klick)
• Buch von Adrian Latimer (2012): (Klick)
• Mehr Reiseberichte zum Thema "Island" im Fliegenfischer-Forum findest Du hier: (Klick)


Ein Reisebericht und Fotos von Christian Mayr für www.fliegenfischer-forum.de - November 2025.
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.


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