Gerätebesprechung gespliesste Fliegenruten:
M. Hülsenbeck "Standart" 1.80m, #5, schnell

Bereits 102 (!) Gerätschaften und Zubehör zum Fliegenfischen wurden bis heute im "Gerätetest" des Fliegenfischer-Forum's vorgestellt, darauf sind wir auch mächtig stolz. Nun kommt allerdings erst der 2.Test zum Thema "Gespliesste Fliegenruten". Wir geloben jedoch Besserung, denn das Thema ist einfach zu interessant, um vernachlässigt zu werden! In diesem nun "2.Gespliesstenrutentest", wurde eine Fliegenrute der bekannten Firma Michael Hülsenbeck näher untersucht. Diese deutsche Firma bietet, neben der hier vorgestellten "Standart"-Serie, eine große Anzahl verschiedener gespliesster Fliegenrutenserien für alle fischereilichen Belange, verschiedenste Geschmäcker und für jeden Geldbeutel - auch für den Kleinen - an. 
Für diesen Test haben wir ein zweiteiliges Modell aus der einfach ausgestatteten und ein großes Spektrum umfassenden "Standart"- Serie, in 1.80m Länge, Klasse 5 (6), schneller Aktion, zum Preis von 189,18 EUR, getestet.
Folgende "Standart"-Modelle sind erhältlich: zweiteilige Ruten: 22 Modelle, Längen 1.60 bis 3.20m, Klassen 3 bis 8, Preise 148,27 bis 383,47 EUR, dreiteilige Ruten: 16 Modelle, Längen 1.60 bis 3.00m, Klassen 3 bis 9, Preise 178,95 bis 409,03 EUR. Alle Ruten werden je nach Wunsch in verschiedenen Farbvarianten und wahlweise in den Aktionen "langsam", "mittelschnell", "schnell" und "sehr schnell" gefertigt und geliefert. 
Ausstattung und technische Details:
Teilung und Maße:
Zwei fast gleichlange Teile (90 und 91,5cm), Transportlänge 91,5cm. Das Gewicht beträgt etwa 105 Gramm.
Ausstattung:
Das Testmodell besitzt einen sechskantgespliessten Blank aus Tonkin in Naturfarbe und ist dick glanzlackiert. Die Bindungen sind in dunklem Grün gehalten, an Griff, Hülsen und Spitze sind diese mit roten Zierbindundungen abgesetzt. Die einzelnen Rutenteile werden mittels einer schönen, massiven Nickelsilberhülse mit guter Passgenauigkeit zusammengesteckt. Eine pfiffige Idee: Die beiden gegenüberliegenden Hülsenteile sind zur optimalen Ausrichtung beider Rutenteile jeweils mit einem roten Punkt markiert.
Der Leitring ist ein Zweistegring mit Keramikfutter, anschließend folgen 6 hartverchromte Schlangenringe und ein ebenfalls hartverchromter Spitzenring. Über dem Handgriff wurde eine Fliegeneinhängeöse angebracht. Der schlanke Handgriff in angenehmer Zigarrenform besteht aus Kork von nur mittlerer Qualität und ist knapp 18 cm lang. Den oberen Griffabschluß bildet ein Nickelsilberaufsatz. Am unteren Rutenende schließlich wurde ein nach unten zu schiebender Schieberollenhalter aus Nickelsilber mit einer schönen, dunklen Holzeinlage montiert.
Sonstiges:
Die Lieferung erfolgt in einem hellbraunen Futteral.
Nähere Betrachtung und Praxistest: Bereits auf den ersten Blick ist die "Standart" optisch gelungen. Die farbliche Abstimmung ist sehr schön, die verwendeten Nickelsilberbeschläge in schwerer Qualität verleihen der Rute zwar etwas an zusätzlichem Gewicht, jedoch auch das elegante Äußere, welches man von einer Gespliessten erwartet. Das Holz des Rollenhalters harmonisiert sehr schön mit den übrigen
Rutenkomponenten. Jeglicher überflüssige Schnickschnack fehlt, die "Standart" wurde bewußt einfach und schlicht gehalten. Der Rutenblank wurde mittels "3/3 Stackerung" gebaut, d.h. jeweils drei Knoten liegen, immer durch einen Spleiß unterbrochen, auf der gleichen Höhe, die 3 nächsten Knoten folgen ebenso angeordnet, nur versetzt. An der Verarbeitung des Blanks und der Rute gibt es fast nichts auszusetzen: Verleimung und Geradigkeit, Beringung und deren Ausrichtung, Lackierung, Hülsen und Rollenhalter - als wurde hervorragend ge- und verarbeitet. Die Biegekurve der Rute ist in Ordnung und die Ringverteilung harmonisch.
Einzig die Qualität des Korkgriffes läßt zu wünschen übrig: Verwendet wurden 11mm-Scheiben in bestenfalls mittlerer Güte und es gibt eine Menge kleinerer, kittgefüllte Risse und Löcher, die später Probleme bereiten könnten. Vielleicht läßt sich dies in nachfolgenden Serien durch die Wahl von höherqualitativen Kork beheben, auch wenn die Rute dadurch etwas teurer wird.
Im Praxistest haben wir die "Standart" zunächst mit verschiedenen 5er Schnüren bestückt und geworfen, dies reichte jedoch nicht ganz aus, die Rute ordentlich in Aktion zu bringen. Erst mit einer 6er Schnur machte Werfen und Fischen Spaß, wobei aber ganz klar die Beschreibung "kurze, schnelle Bachrute" passt: es handelt sich um eine relativ steife und wenig sensible Rute - eben für diesen speziellen Einsatzzweck gemacht. Entscheidend für diese fehlende Sensiblität ist auch die 2,5mm starke, relativ steife Rutenspitze, die eine "zarte" Spitzenaktion nicht zulässt. 
Ansonsten besitzt die "Standart" gute Wurfeigenschaften und ein hohes Kraftpotential - auch für weitere Würfe und schwerere Schnüre.
Wir haben es nicht bei der äußeren Begutachtung und diversen Testfischereinsätzen belassen, sondern die "Standart" anschließend in der Werkstatt unseres (Hobby-)Fliegenrutenbauers "vorgestellt". Der Experte bestätigte den durchaus positiven Eindruck der Rute, war hoch erstaunt über den äußerst günstigen Preis, zu dem sich "eine Gesplisste eigentlich gar nicht fertigen lässt", bemängelte aber auch die Korkqualität und gab uns neben anderen Ausführungen zwei fachliche Details auf den Weg, die nicht unerwähnt bleiben sollen: 
Die Knoten bei guten, handgearbeiteten (aber auch viel teureren) Gespliessten werden mit Hilfe einer Wärmebehandlung heraus-, bzw. hereingedrückt. Bei der "Standart" hat diese Behandlung augenscheinlich nicht stattgefunden: es erfolgte eine maschinelle Bearbeitung der Knoten und an manchen Stellen erweckt es den Anschein, als ob die Knoten beschliffen wurden. Beim Fischen ist dies jedoch unerheblich.
Der Rutenblank macht einen fast runden Eindruck. Wir vermuteten zunächst, dass der Blank aus nicht nachvollziehbaren Gründen fast rundgeschliffen wurde, täuschten uns jedoch: Das gerundete Profil wird durch die ziemlich dicke Lackschicht hervorgerufen. Laut Hersteller werden die "Standart"-Modelle 18 mal tauchlackiert.
Fazit
Bei der Hülsenbeck "Standart" handelt sich es um ein solides Gebrauchsgerät, dazu optimal bestückt und sehr ordentlich verarbeitet. Gerade Fliegenfischer, die einmal in die "Welt der gespliessten Fliegenruten" hereinschnuppern möchten, sich aber finanziell nicht über Gebühr verausgaben wollen und können, werden mit der geradezu unschlagbar preisgünstigen "Standart"-Serie angesprochen.
Mir persönlich ist die hier getestete Rute etwas zu schnell und ein wenig zu kurz, ich würde ein "Rütchen" um 2.00m mit einer schönen, weichen Aktion bevorzugen. Da in der "Standart"-Serie jedoch sämtliche Längen, Klassen und Aktionen zur Verfügung stehen, sollte hier eigentlich jeder Fliegenfischer ohne Probleme die Fliegenrute finden können, die ihm am besten liegt.
Wir sind jedenfalls schon gespannt auf die Testergebnisse weiterer Hülsenbeck-Fliegenruten...
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Bezug:
Im Fachhandel oder direkt bei den Rutenbauwerkstätten Michael Hüsenbeck, Am Walde 1-2, 42929 Wermelskirchen-Dhünn, Telefon 02196/89311, Fax 02196/702304, eMail:MH-Bamboorod-cane@t-online.de. Einfach mal den Katalog anfordern.
Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos: (C) Michael Müller
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