Gerätebesprechung - Fliegenruten:
Gespließte von Hans-Jörg Klein: "Dryfly", 6'8", # 2/3 , 2-tlg.

Seit gut 10 Jahren beschäftigt sich der in Thüringen ansässige Fliegenbinder und Rutenbauer Hans-Jörg Klein mit dem Bau von gespließten Fliegenruten. Sein besonderes Steckenpferd sind Sechskant-Hohlgespließte.

In diesem Test haben wir uns eine seiner Ruten näher angeschaut: das feine Bach-Modell "Dryfly", 6'8", # 2/3, 2-tlg. Nach Angaben des Rutenbauers sollte es eine feinnervige und sensible Rute für's Trockenfliegenfischen werden, die trotz ihrer Feinheit ein für diese Klasse ausreichendes Rückrat besitzt und beim Werfen nicht unnötig "ins Schleudern" gerät. Deshalb wurde auch eine asymetrische Teilung gewählt.

Ausstattung und technische Details:

Teilung und Maße:
Zweiteilige, bis auf die letzten 20 cm der Spitze hohlgespließte Fliegenrute, Länge 6'8" (zusammengesteckt und nachgemessen exakt 183 cm), asymetrische Teilung: Handteil 73 cm, Spitzenteil 112 cm. Das Gewicht der Rute beträgt 88 Gramm.

Ausstattung:
Sehr schlanker, farblich naturbelassener, glanzlackierter Sechskant-Hohlspleiß- Tonkin-Blank mit paarweise versetzten Knoten und dezenten Flammpunken. Die Ringbindungen wurden mit Laminierharz behandelt, die Rute wurde zwei mal tauchlackiert. Die beiden Rutenteile werden mit einer, mit Lamellen versehenen, bünierten Nickelsilberhülse zusammengesteckt. 
Beringung: Handteil mit einem Dreibeinring mit Keramik-Futter und einer feststehenden Fliegeneinhängeöse über dem Griff, Spitzenteil mit sechs Schlangenringen und dem Spitzenring. Alle Ringe besitzen der Schnurklasse angemessene geringe Durchmesser & 
feine Materialstärken, sie sind hart verchromt und besitzen die nötigen Abstufungen. Die Ringbindungen sind Dunkelbraun. Am Handteil gibt es ein paar feine, ebenfalls dunkelbraune Zierbindungen und eine dezente Rutenbeschriftung.
Griff: Korkgriff "Zigarre", 15 cm lang, aus 6 mm starken Korkscheiben in allerbester Qualität.
Rollenhalter: ein leichter Schraubrollenhalter aus hauchfeinem Stahl, mit Feingewinde, griffwärts wirksam und leichtgängig. Spacer aus geöltem Hartholz (unlackiert).

Preis der Rute: ab 550,-- EUR (je nach gewünschter Ausstattung)

Nähere Betrachtung und Praxistest
Das "feine Stöckchen" liegt gut in der Hand. Die Verarbeitung Rute ist im Großen und Ganzen tadellos. Der Rutenblank ist fehler-(und spalten-)frei, kerzengerade und frei von Verwindungen. Die Beringung liegt exakt auf einer Linie. Die Lackierung des Blanks ist sauber, die Ringbindungen wurden gut versiegelt. Aufgrund unseres zeitlichen Drängens zur Testrute fehlt der Rute jedoch die dritte und letzte Lackschicht. Der Rutenbauer sichert zu, dass die Lackierung bei allen künftigen Kaufruten in dieser Hinsicht makellos sein wird. 
Der Zigarrengriff ist mit seinen gerade mal 15 cm ein wenig kurz geraten, er setzt mit seiner hochqualitativen Ausstattung mit 6 mm Champagner- Korkscheiben jedoch Maßstäbe und liegt, nicht gar zu dünn geschliffen, gut in der Wurfhand. Der hauchfeine und superleichte Stahl-Rollenhalter wertet diese feine und leichte Rute auf, er passt ebenso gut ins Gesamtbild wie die schicke Einlage in Braun aus geöltem Hartholz.
Zusammengesteckt wird die "Dryfly" mit sehr gut eingeschliffenen und mit Lamellen ausgestatteten Hülsen aus brüniertem Nickelsilber. Diese lassen ein sauberes Zusammenstecken der Rute mit mittlerem Druck zu. Ebensno lassen sich die beiden Teile mit geradem Zug problemlos wieder trennen. "Hülsenklemmer" gab es bei unserer Testrute nicht.

Zunächst bestückt mit einer 2er DT von Cortland dürfte die "Dryfly" auf der Wiese und am Wasser beim Äschenfischen ihre Testphase antreten und ihre Qualitäten offenbaren.

Die weiche, sehr sensible und vollständig arbeitende Rute ermöglicht ein wahres Genußfischen mit feinstem Zeug. Fischen mit feinsten Vorfächern, hauchzartes und genaues Präsentieren einer Trockenfliege, Anschlag und Drill - alles meisterte die "Dryfly" mit Bravour. Der längere obere Rutenteil erledigt dabei die Feinarbeit und das kräftigere Handteil liefert Kraft und Druck, auch wenn es mal etwas heftiger zur Sache gehen sollte. Dabei mag die Rute nach unserer Einschätzung am liebsten die Wurf- und Fischereibereiche von 2 bis 12 Metern. Bestückt mit einer 3er oder gar 4er WF-Leine war durchaus noch einiges mehr an Leistung und Wurfweite herauszuholen, ohne dass die Rute direkt überladen wirkte.
Fazit
Eine schöne, zarte und leichte Fliegenrute, gemacht für die feinste Fischerei! Die Rute ist ordentlich bestückt und sauber gefertigt - sie dürfte die Symphatisanten der "Gras-Fischerei" mit ihren Qualitäten zu begeistern wissen. Dazu liegt sie - für eine in D und in reiner Handarbeit gefertigte Gespließte - in einem sehr aktzeptablen Preis-Rahmen.

Bezug:
Hans-Jörg Klein - Gespließte erhalten Sie direkt beim Rutenbauer, Website und Kontakt: www.hans-joerg-klein.de
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Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos ©: Michael Müller
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.

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Die nächsten Ruten kommen mit einem weitaus besseren Lack !!

Da Hans-Jörg Klein neben seinem Beruf nur "eine Handvoll" Fliegenruten pro Jahr bauen kann, sind frühzeitige Vorbestellungen angeraten, sowie längere Wartezeiten einzuplanen.