Gerätebesprechung - Fliegenruten:
GREYS "GRX" 9' # 8/9
Aufmerksam auf diese Rute wurden wir durch Martin Rau, der diese Greys "GRX" als einzige Fliegenrute 2004 in seinen kleinen, aber feinen Küstenfischerkatalog aufnahm - mit gutem Grund und dem Hinweis, nach langer Suche nun DIE optimale Meerforellen- Fliegenrute gefunden zu haben.
Da Martin Rau in seinem Metier nicht als Mann für "halbe Sachen", sondern mit seiner langjährigen Erfahrung als gefragter Experte gilt, war es für uns "oberste Pflicht", diese Rute näher zu untersuchen. In einem 14-tägigen Testfischen auf Bornholm bestand ausreichend Gelegenheit, die Greys "GRX" ausgiebig zu fischen.
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Foto rechts: Bornholmer "Testtage": v.l.n.r.: Scierra HM2 Saltwater 9'6" #8 mit Rolle Scierra Traxion 79 und Schnur Scierra EDP WF8F, Thomas & Thomas Horizon 9' #8 mit Rolle Vosseler DC3 und Martin Rau Schußkopfsystem (Glider N + Stren), Greys GRX 9' # 8/9 mit Rolle Exori Crest (noch ohne Schnur), dahinter Rolle Loop 2W mit Schnur Cortland Seatrout Distance Taper WF8F und rechts eine Ron Thompson 9,5' #8 mit Compo-Graphite Rolle und ebenfalls Martin Rau Schußkopfsystem.
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Verfügbar ist die "GRX" als "GRX Trout" in 9 Modellen: von 7' #3/4 bis 9' # 8/9 bzw. 10' # 7/8. Die Serie ist 2- und 3-teilig. Außerdem sind zwei dreiteilige Zweihand-Modelle "GRX Salmon" in 13' und 14' erhältlich. Die Preise (UVP) gehen von 109,90 in der kleinsten Trout-Klasse bis 299,90 EUR bei der 15# Lachsrute.
Unser Testmodell war eine GREYS "GRX" 9' # 8/9.
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Teilung und Maße:
Länge 9' (zusammengesteckt und nachgemessen exakt 273 cm), drei gleichlange Teile a. 97 cm. Gewicht 119 Gramm.
Ausstattung:
Schlanker, geschliffener Blank in Kobaltblau, glanzlackiert. Ringbindungen in schwarz. Am Handteil silberne Zierbindungen. Dezente Beschriftung in silbergrau. Tiefgehende Überschubverbindungen. Oberseiten von Hand- und Mittelteil gegen Schmutz abgedichtet.
Beringung: Handteil: 1 Dreifuß-Leitring mit SIC-Einlage, Mittelteil: ein abgestufter Dreifuß-Ring mit SIC-Einlage, zwei hochstehende Schlangenringe, abgestuft, Spitzenteil: fünf hochstehende Schlangenringe, in zwei Größen abgestuft, und ein Spitzenring (alle hartverchromt). Über dem Griff sitzt eine feststehende Fliegeneinhängeöse. Griff und Rollenhalter: 18,3 cm langer Korkgriff aus 15 bis 18 mm-Korkscheiben in akzeptabler Qualität (einige Kittstellen). Schwarz anodisierter Alu-Schraubrollenhalter, griffwärts zu schrauben mit Einlage aus geflochtenen Carbon in schwarz. Am unterem Griffende sitzt ein kleiner Fighting Butt (4 cm) mit Moosgummiabschluss.
Sonstiges:
Die Lieferung erfolgt im grauen Futteral (ohne Transportrohr). Die Preisempfehlung lt. EXORI 2004-Katalog beträgt 145,90 EUR. Greys Fliegenruten besitzen eine lebenslange Garantie für den Erstbesitzer auf Material- und Herstellungsfehler.
Nähere Betrachtung und Praxistest
Der erste, gute Eindruck verstärkt sich bei der näheren Betrachtung der GRX. Die Rute ist sehr ordentlich gefertigt, ist sportlich schlank und besitzt eine schlichte Eleganz. Die Ringe sind akkurat ausgerichtet, sauber angewunden und die Bindungen sorgfältig lackiert. An Blank und Lackierung lassen sich keinerlei Mängel finden. Die Überschubverbindungen sind gut eingeschliffen und passen so gut zusammen, dass sich auch nach mehrstündiger Fischerei kaum etwas lockert. Der Korkgriff ist ausreichend lang bemessen, griffig und von guter Qualität. Mit einigen kleineren Kittstellen können wir gut leben: wir haben bei vielfach teureren Fliegenruten bereits schlechteren Kork gesehen. Der Rollenhalter ist IO, eine Kontermutter wäre bei dieser Klasse jedoch nicht verkehrt.
Im praktischen Einsatz kann sich die GRX sehr gut behaupten. Mit einer WF8 oder entsprechenden Schussköpfen kommt Ihre Leistung sehr gut zur Geltung. Der erste Eindruck vom "ersten Schwipp", es handle sich um eine recht steife, schnelle Rute, verfliegt beim ersten Wurf schnell. Die mittelschnelle Aktion baut sich gleichmäßig über die Spitze bis zur Mitte auf, bis dann bei harter Beanspruchung auch Kraft aus dem Handteil zu schöpfen. Wie immer spielt natürlich die Wahl der richtigen Schnur eine große Rolle. Absolut beeindruckende Ergebnisse - bis ans Leinenende - zeigte die "GRX"
im Zusammenspiel mit einer Scierra EDP WF8F (siehe auch Test Nr. 165), die als etwas "übergewichtiger" Schusskopf dimensioniert, eher in #9 tendiert.
Hier ist die ausführliche Einschätzung unseres Testers Stefan Beier: "Während unseres diesjährigen Familien-Oster- (Meerforellen-) Urlaubs auf Bornholm hatte ich die Möglichkeit, die GRX 9’00’’ #8/9 von der Firma Greys zu testen. Im Vorfeld hatte ich bereits mit Schusskopf und Schnurkorb für mich Neuland betreten. Dazu fischte ich mit meiner alt gedienten Ron Thompson den von Martin Rau angebotenen Schusskopf GLIDER NEUTRAL in # 8 und einer Runningline aus einem 40er Monofil von STREN. Der von mir benutzte Schnurkorb ist eine preiswerte,
aber äußerst funktionale Eigenentwicklung von Martin Rau. Zugegeben, so ein „Bauchladen“ ist für einen Bachfischer schon etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn da eine große Schwelle reinschwappt und einem das so gewonnene Gewicht das Gefühl einer Blitzschwangerschaft vermittelt. Letztlich ist er aber unverzichtbar, denn gerade an der frei im Wasser treibenden Nachschnur verfängt sich ständig irgendwelches Grünzeug – und davon gibt es in der Ostsee scheinbar eine Unmenge – um dann gemeinsam mit dem stets aus der falschen Richtung wehenden Wind auch ja jeden Wurf zu vereiteln. Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich in der ganzen Woche nicht einen einzigen nennenswerten Fitz in der Kiste (bis auf ein Mal, als ich versuchte, bei komplett eingestippter Schnur und Schusskopf das Wasser auszukippen – Megasalat und Zwangspause !). Und wenn man sich dann auch noch vom gewohnten Wedeln verabschiedet hat und den Wurf mit wenigen aber präzisen Schwüngen rausbringt, lernt man gerade an der Küste den Schusskopf schätzen.
Nun aber zur Rute! Sie ist dreigeteilt, alle Teile sind sauber verarbeitet, der Griff zwar relativ schlank, liegt aber aufgrund der guten Ausformung und vernünftigen Länge angenehm in der Hand. Der Kork macht auch einen guten Eindruck. Sicher ist da die eine oder andere Kittstelle, was dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Der schwarze Rollenhalter und der aus Carbon gewebte Spacer wirken zeitgemäß und unaufdringlich elegant. Insgesamt ein äußerst gutes Erscheinungsbild. Das reicht aber natürlich noch lange nicht, um eine Fliege vernünftig zum Fisch zu bringen. Hier sind innere Werte
gefragt. Und da überrascht die Greys bereits beim ersten Ausbringen des Schusskopfes. Bereits wenn das erste Drittel des Schusskopfes draußen ist, beginnt die Rute ordentlich zu arbeiten, so dass bereits im Nahbereich eine äußerst präzise und sanfte Präsentation möglich ist (aber wer fährt dafür an die Küste ?!). Bei dieser frühen Sensibilität hatte ich dann doch Sorgen, ob noch genügend Kraft für den ganzen Schusskopf in der Rute steckt. Also ließ ich es vorsichtig angehen und ging mit stark gezügeltem Krafteinsatz zu Werke, den ich aber von Wurf zu Wurf steigerte. Das Ergebnis beeindruckte mich enorm, da das Spektrum der Rute bis zum „Full-Power-Doppelzug“ reichte, ohne dabei auch nur den
Ansatz von Schwäche zu zeigen. Selbst beim Aufnehmen des Schutzkopfes, der bei langsamer Fliegenführung schon mal recht tief eingesunken sein kann, bewies sie uneingeschränkt Rückgrat. Nach meiner Einschätzung ist der Fa. Greys eine hervorragende Kombination aus Sensibilität und Kraft gelungen. Dies ermöglicht auch über einen längeren Zeitraum ein entspanntes und kräfteschonendes Werfen, was einem Handgelenk und Schulter danken.
Eigentlich sollte an dieser Stelle noch eine Beschreibung zum Drillverhalten bei einer wilden 5 Kilo-Forelle kommen. Das muss aber leider wegen unsportlicher Ignoranz der Silberblanken beim Fischen mit dieser Rute ausfallen. Ich bin mir aber sicher, dass die Rute auch diese Aufgabe mit Bravour besteht.
Bei allem Positiven habe ich dann doch noch einen Kritikpunkt gefunden: Nach längerem Werfen sollte man die Steckverbindungen überprüfen, da sich diese nach meinem Empfinden etwas gelockert hatten.
Ganz zum Schluss noch etwas zum Preis. Im Katalog 2004 der „Fliegenbinderei Martin Rau“ wird die Rute incl. Futteral und einer lebenslangen Garantie für 135,00 € angeboten – aus meiner Sicht bei dieser Qualität die nächste positive Überraschung ! Für weitere 19,00 € gibt es auch noch ein Transportrohr dazu.
Mein Fazit: Tolle Rute zum super Preis !"

Fazit:
Die Greys GRX braucht sich wirklich nicht zu verstecken, auch nicht vor Fliegenruten in deutlicher höherer Preislagen. Sie überzeugt 

durch eine makellose Verarbeitung und absolut souveräne Wurfleistungen - zu einem sehr akzeptablen Preis - und hat somit gute Vorraussetzungen, für viele wirklich DIE Meerforellenrute zu werden. Ein mitgeliefertes Rutenrohr würde der GRX gut tun. 
Bezug:
GREYS-Produkte erhalten Sie im Fachhandel. Händleranfragen an: Hardy & Greys GmbH, Brägeler Forst 7, D-49393 Lohne, Tel.(04442)802920, Fax(04442)8029229, Web: www.hardyfishing.com/de-de/home/
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Fachhändler in Thüringen ist z.B. FischimNetz.de, Angelspezi (mit Versand und Internetshop), Ichtershäuser Str.74, 99310 Arnstadt, Telefon (03628)586694
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Außerdem ist die Rute im Versand bei Martin Rau erhältlich. Web: www.fliegenbinderei.de, Telefon 06404/5330.
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Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos: (C) Michael Müller
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