Geräte-Besprechung - Fiegenrollen:
Alenko Franolic "Standard 77" #5-6
Unter Kennern sind die feinen Fliegenrollen von Alenko Franolic aus München sicher nichts Neues, vereinen sie in sich doch elegantes Design, ausgeklügelte Funktion, kompromisslos saubere Fertigung und Flexibilität in der Oberflächengestaltung. 
Höchste Zeit also für uns, Ihnen diese Fliegenrollen einmal näher zu bringen.

Derzeit (Stand Juli 2007) gibt es sechs verschiedene Franolic-Fliegenrollenserien. Farbliche Varianten und die Möglichkeiten der Oberflächenverkleidung einmal außer Acht gelassen, sind es insgesamt 29 verschiedene Fliegenrollen-Modelle. 

In diesem Test stellen wir Ihnen - nach einer ausgiebigen Testphase - das Modell "Standard 77" aus der "Standart"-Serie vor.

Verfügbare Modelle der "Standart"-Serie:
6 Modelle: von Schurklasse # 4/5 bis # 11/12.

Technische Daten (eigene Messungen)
Farbe: Aluminium (mattsilber)
Gewicht: 151 Gramm
Rollendurchmesser: 76 mm
Rollenbreite (ohne/mit Kurbel/Bremsrad): 40 (60) mm, Spuleninnenbreite: 22 mm
Spulentiefe (nutzbar): 28 (25) mm
Schnurfassung: WF 6 F + um die 70 Meter 30 lbs-Backing
Lieferumfang: Karton
Preis: Rolle: 332 €, E-Spule: 219 €
Garantie: lebenslange Garantie für den Erstbesitzer
Sonstiges: Die Rollen sind mit massiver oder mit durchbrochener Spulenrückwand lieferbar. Außerdem sind auf Wunsch spezielle Oberflächen, Farben, Gravuren, bis hin zu hochwertigen Holzverkleidungen, lieferbar.

Beschreibung und Praxistest:
Leichte Antireverse-Normalkernfliegenrolle, Made in Germany,  mit 1:2,7-facher Übersetzung, aus dem vollen Aluminum-Block gedreht & gefräst, mit Messing-, Edelstahl- und Kunststoff-Bauteilen.

Das Rollen-Getriebe wurde aus abriebarmen und gleitfähigen Materialien hergestellt, so dass es so gut wie nicht gewartet werden muss und praktisch keinem Verschleiß unterliegt. Die zuverlässige und durchdachte Rollentechnik besitzt mehrere Patente. Die Spule unseres Testmodells wurde beidseitig mit jeweils drei Lochkränzen versehen. Die Spule steht etwas aus dem Rollenkäfig hervor und kann bei Bedarf mit der Hand abgebremst werden. Sie läuft in einem, mit drei Stegen versehenem, 
geschlossenem Rollenrahmen. Am breiten Steg wurde der Rollenfuß zweifach von außen geschraubt, je ein weiterer, sehr schmaler Steg sitzt vorne seitlich, so dass der Schnurabzug nicht beeinträchtigt wird. Die Gehäuserückseite wurde zu zwei dritteln gelocht. Im Inneren des Gehäuses wurden der Klicker und das Übersetzungsgetriebe untergebracht. In der Spule selbst befindet sich ein echtes und hoch wirksames Scheiben-Bremssystem, auf der Spulenvorderseite dessen Einstellrad - gut bedienbar über die "Kurbelhand". Schließlich befinden sich über der Spulenfront noch der S-förmige Kurbelarm aus Messing, mit der Alu-Kurbel und einem Gegengewicht.
Im Praxisbetrieb zeigte unser Testmodell einen äußerst präzisen und sehr gut ausgewuchteten Rundlauf, ohne störende Toleranzen. Die ganze Rolle wurde hervorragend verarbeitet - es gibt keine erkennbaren Mängel. Alle Kanten und Ecke an relevanten Stellen wurden gut abgerundet, besonders an den schnurführenden Teilen, alle Zwischenräume und Abstände bei Spule und Gehäuse wurden sehr gering gehalten. 
Unser Testmodell schnurrt wie ein "Uhrwerk". Beim Einkurbeln wirkt die Übersetzung und als Geräuschkulisse ertönt das dezente "Schnurren" des Klickers und des Getriebes. Wie bei einer Antireverse-Fliegenrolle üblich, bleibt die Kurbel beim Schnurabzug stehen, nur die Spule dreht sich - in diesem Fall lautlos - und die eingestellte Bremskraft wirkt. Bei jeder Bremseinstellung läuft die Spule ruckfrei an. Die möglichen Bremseinstellungen reichen vom Freilauf bis nahezu komplett zu. Die sehr zuverlässig arbeitende Scheibenbremse wirkt von zwei Seiten direkt auf die Spule. Unter Verwendung des großen Einstellrades auf der Spulenvorderseite lassen sich alle Einstellungen leicht und mit der "Kurbelhand" vornehmen. Wer möchte, kann über den leicht überstehenden Spulenrand auch mit den Fingern bremsen. Zum Wechseln der Spule wird die Front-Schraube (im Uhrzeigersinn!) gelöst und entfernt. Anschließend können der Kurbelarm herausgezogen und die Spule abgenommen werden. Die "Standard" ist wartungsarm: gelegentlich ein Tröpfchen Öl und alles läuft prima. Ein selbstständiger Rechts- und Linkshand-Umbau ist nicht vorgesehen - hier muss schon beim Kauf die entsprechende Rolle geordert werden. Das Schnurfassungsvermögen unseres Testmodell's ist sehr hoch. Die Größendimension der Rolle, im Verhältnis zur vorgesehenen Schnurklasse # 5-6, ist gut und passend.
Kleine Anmerkung auf Hersteller-Rückfrage: Das auf dem Foto weiter oben zu sehende Kunststoff-Zahnrad verwendet Alenko Franolic in der Regel deshalb, weil damit die Rolle noch eine Spur weicher läuft. Auf Wunsch baut er aber auch ein Messing-Zahnrad ein.

Fazit: Die "Standard" ist ein kleines feinmechanisches Meisterwerk, das jene Fliegenfischer mit Sinn für schönes Design ebenso begeistern dürfte, wie Technik-Freaks oder auch solche, die "nur" Wert auf höchste Funktionalität und Zuverlässigkeit legen. Die Rolle wurde absolut durchdacht konzipiert und mit hoher Präzision gefertigt - sehr saubere Arbeit! Mit den möglichen optischen Variationen lässt sich eine passende Rolle nahezu für jeden Geschmack finden. Der Anschaffungspreis ist zugegeben kein "Pappenstiel" - aber der Gegenwert ist hoch - und die gute Garantie rundet das positive Gesamtbild ab.

Die  technisch ausgereifte Fliegenrolle vereint typische klassische Elemente wie S-Handle mit modernster Technik, die sich aufgrund der 2,7-fachen Übersetzung mit jeder Großkernspule messen kann. Der entscheidende Unterschied: Sie wirkt aufgrund des geringen Spulendurchmessers sehr filigran und leicht. Damit harmoniert sie gerade auch – aber nicht nur!- mit feinen gespließten Fliegenruten.
Foto oben: Volker Engelmann's private Franolic-Rolle, montiert an einer von seinen selbstgebauten "Quad"-Gespließten. Gerade dies hat Alenko Franolic weltweit so bekannt gemacht: seine wunderschönen Holzverkleidungen, abgestimmt auf die Rute plus Antireverse. Niemand sonst stellt weltweit! diese Kombination her.

Bezug: Axel Janousch, FineArts Flyfishing, Loferer Straße 7, D-81671 München, Telefon 0049 (0)89 450 28 320, Telefax: 0049 (0)89 450 28 318, E-Mail: finearts-flyfishing@email.de, Web: www.finearts-flyfishing.de
oder direkt beim Hersteller:
Alenko Franolic´, Preysingstraße 28, D-85625 Glonn, Tel.: 0049 (0)8093-3362 · Fax: 0049 (0)8093-2780
E-Mail: Alenko.Franolic@Franolic-Flyreels.com, Web: www.franolic-flyreels.com
Lieferzeit: Die Rollen werden in kleinen Serien weitgehend in Handarbeit hergestellt. Die Lieferzeit beträgt daher rund 3-4 Monate.


Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos ©:  Michael Müller
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