Ladies Flyfishing - die Königsdisziplin des Fischfangs ist nicht nur Männersache...
von Meike Deutschmann
... obwohl der Frauenschwarm Brad Pitt das Gegenteil in Montana unter Regie von Robert Redford, auch den deutschen Zuschauerinnen, in einer poetisch angesiedelten und mit berauschenden Flußlandschaften inszenierten Geschichte vermittelte. Die Männer gehen zum Fischefangen und die treusorgenden Hausfrauen bibbern, ob das Abendessen auch später durch die Haustür kommt... Der Film spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, die Tiefkühltruhe gab´s noch nicht und Fischstäbchen waren unbekannt.*
Nun, die Zeiten sind vorbei und waren es auch 1992, als der Altstar und der glatte Schönling die gefühlsbeladene Fuchtelnummer in Szene setzten.
Entzaubernd sollte erwähnt werden, daß Brady-Boy vorher nicht fischen konnte und er sich vor Drehbeginn von einem der bekanntesten Fliegenfischer-Päpste der USA in Wurf-Exerzitien unterweisen ließ, für Kunstwürfe wurde er gedoubelt.
Die hiesigen Gewässer lassen sich mit einfachen Würfen befischen, die Breite unserer Bäche und Flüsse geben selten die Möglichkeit zu Schwüngen, die dem Lassowurf ähnelnde Distanzen abverlangen.

Bisher ist kein Meister vom Himmel gefallen, begonnen wird immer mit dem Anfang; der Suche des smarten Guys mit amüsiertem Blick, ob ein fishing-girl der Zukunft nicht Ohnmachtsanfälle bekommt, wenn mal ein Fisch beißen sollte. Keine Bange! Bevor die Kunstfliege, das optisch nachempfundene Insekt, nicht tatsächlich an einer Perlonschnur von 

zarter Frauenhand im Wasser geführt wird, stellt sich die Frage nicht...soweit muß es erstmal kommen. Im Angelladen der Umgebung, im Internet oder bei Bekannten, die in Angel-Vereinen sind, wird man schnell bei Nachfragen zu einem Kursus oder an einen Fliegenfischer geraten, der hier die einleitenden Stunden vermittelt. Die Kosten dafür können variieren, Wochenend-Kurse werden angeboten: einen Tag auf der grünen Wiese zum Üben mit viel Erklärungen über Sinn und Zweck, der Natur und biologische Zusammenhänge, spezifische Benennungen in der Fischerei werden besprochen. Der nächste Tag findet am Wasser statt, hier bekommt frau tatsächlich einen Eindruck, ob das auserkorene Hobby auch persönlich den Spaß verheißt, der in der Vorstellung existiert. Bei Kursen wird meistens das Equipement gestellt: Stiefel mit langen Schäften bis zum Oberschenkel oder gleich Wathosen - wasserdichte Latzhosen - und die dazugehörige Rute. Ein Wochenede an der frischen Luft, Kennenlernen anderer Leute und eine Unterweisung in Biologie können die Aspiranten immer nach einem Versuch mitnehmen, auch wenn hier Endstation ist.

Hat die Dame angebissen am neuen Hobby, geht´s in die "Schule". Den Angelschein machen ist neben Büffeln eine feine Sache, der Kennenlernfaktor von Männern ist mit hoch 10 zu bewerten. Nirgends sonst können Frauen auf selbstverständlicherem Weg Kontakte knüpfen - der Spaß ist garantiert! Auch wenn Zuhause der Mann sitzt, die Damen sind im Mittelpunkt der Mannschaft, diese Gaudi ist für ca. 150 Euro über Wochen zu zelebrieren. (Meine Damen, denken Sie dran: das haben ganz andere vor Ihnen geschafft! Mit Fleiß und Ausdauer beginnen Sie hier eine neue Ära der Begegnung zwischen Frauen und Männern!) Das Lernpensum erstreckt sich über heimische Fischarten, Angelmethoden bis hin zu Gesetzeskunde, vieles ist sehr interessant!
Zum Ende winkt ein Zertifikat, der staatlichen Berechtigung, sich Karten für´s Fischen zu besorgen, was immer den Jux vorantreibt. 
Oftmals werden die Ladies schon beim Kurs zum Mitfischen eingeladen, man/frau wundert sich, wie die Zusammenhänge mit Gewässerberechtigungen und Bestimmungen sind: auf jeden Fall die Schulung bis zur Prüfung machen! Das gibt erst den richtigen Kick: die ständige Nachfrage, ob auch wirklich ein Fischereiberechtigungsschein vorliegt? 
Alle fünf Jahre werden die Dokumente verlängert, hat was vom Personalausweis-Habitus - nur hier sind die Damen noch die Ausnahme: auf dem Amt können die fishing-girls wie 007 auftreten: mit der Lizenz, sich einen Fisch anzueignen.
(Angeln war eine Maßnahme aus der Zeit, als die Bevölkerung Eiweiß benötigte, um zu überleben.)

Die Wahl zur Ausübung des (noch) ungewöhnlichen Hobbies ist vielfältig: nichts steht dem Eintritt in einem Verein im Weg und/oder Gastkarten zum Fischen bekommen die Schein-Inhaberinnen auf Nachfrage, eben auch in Angelläden.
Hier lassen sich die Damen mit Rute und Rolle beraten, Wurfversuche vermitteln eben nur das richtige Gefühl für die Wahl des Geräts - erst mit der Zeit können eventuell die Ruten aus der Ferne, mit Bestellungen aus Katalogen oder Online-Shops beurteilt werden - damit vertut sich auch manch versierter Herr. Einladungen bei Besuchen in den Kellern der Fischer werden Bände sprechen, da sind sich Damen und Herren recht ähnlich: keiner redet gerne über Fehleinkäufe!

Jetzt klären wir noch die Frage der Kleidung:  Wenn die Farbpalette von khaki, schlamm, oliv und grün bisher ein Grund war, nicht fischen zu gehen - sollte die folgende Auswahl die Schwierigkeit umschiffen. Zugegeben, ist es schwer für Damen mit kleiner Konfektionsgröße passende Sachen zu bekommen, aber es gibt Lösungen.

Weste   Stilsicher ist immer eine Weste zum Fischen. In den Geschäften kann unter etlichen Modellen gewählt werden. Zwei Kriterien bei der Auswahl sollten allerdings beachtet werden: die Weste ist taillienkurz - nasse Enden sind während eines Tages am Wasser unangenehm und die Armausschnitte sind großzügig - nichts soll den Bewegungsablauf beim Fischen einengen. Mit modischen Accessoires wie einer kleinen Brosche an der Weste wird nicht nur die persönliche Note unterstrichen, sondern sieht bei Ladies sehr charmant aus. Dazu eine Baseballkappe farblich abgestimmt - mit minimalem Aufwand und Investition kann der Spaß am Wasser losgehen. 
Sportiv kommt die bisher einzige in Deutschland verfügbare Fliegenfischerweste für die Damen daher: High-Tech Funktionsbekleidung. Das nicht ganz preiswerte Stück ist wasserabweisend, hat viele Taschen innen und außen die mit Klett- und Reißverschlüssen das Hab und Gut sicher aufbewahren.
Eine Damenweste hat Taschen nicht direkt auf Brusthöhe, bei Damen mit größerer Oberweite empfehlenwert und die Größe beginnt bei 36/38. Die kleinste Herrengröße "S" startet bei 44/46, oftmals werden Westen erst ab Größe "M" angeboten - die Nachfrage nach kleinen Westen ist gering im Fachhandel der Herren.

Jacken und Pullover   Gerade an kühleren Tagen sind Wolljacken angesagt - das Hobby wird nicht nur im Hochsommer ausgeübt.
Mit einem passenden Hut können die fishing-ladies eleganter ans Wasser kommen. Nicht jede Dame fühlt sich von sportiven Westen angezogen...

Fischerkörbchen und Taschen   Nie aus der Mode kommt das Fischerkörbchen. Das hat einen Hintergrund: der in ein nasses Handtuch eingeschlagene Fisch bleibt durch die Verdunstungskälte länger frisch. Das Eiweiß zersetzt sich bei Wärme sehr schnell, dann "riecht" der Fisch recht flott unangenehm.
Auch Basttaschen lassen eine Luftzirkulation zu, die sehen schick aus und viele Utensilien finden darin Platz - Hut und Tasche können eine optische Einheit geben.

Watstiefel   Wie wär´s mit "NOUGATBRAUN" am Bein? Rein optisch strecken dunkle Stiefel das Bein - auch bei diesem Hobby wird auf Absätze verzichtet. Der Tragekomfort des Modells ist sehr gut: auf Wadenhöhe zu falten (zum Laufen oder bei Pausen brauchen Sie kein Extra-Paar Schuhe mitnehmen), die Schnalle zum Verringern der Weite am Oberschenkel und ist in Damengrößen erhältlich. Die meisten Hersteller liefern erst ab Größe 41 - das kann mit Einlagen und dicken Socken anstrengend für die Füße sein.
Gerade das Thema gutes Fußbett ist wichtig: die Stiefel trägt frau während des gesamten Ausflugs - nach ein paar Stunden sollte keine wegen wehen Füßen aufhören müssen.

Brillen   Polaroidbrillen sind kein modischer Schnick-Schnack. Durch die Lichtreflektion am Wasser kann ohne Brille kein Blick auf die möglichen Fische riskiert werden. 

Kappen und Hüte   Die halten ebenfalls zuviel Licht ab. Bei windigem Wetter stören die Haare nicht und ein nicht zu unterschätzender Vorteil wie auch bei der Brille: der Gesichtsbereich der Augen wird geschützt. An der Kunstfliege ist ein Haken befestigt, der ist für den Fisch gedacht und nicht zum unfreiwilligen piercen.

Die Vorteile für dieses Hobby sind verschiedene: Sie können wählen, ob Sie gemeinschaftlich oder alleine fischen gehen wollen. Bei schätzungsweise 3 Millionen Anglern gehören Sie zu den vielleicht 5 %, die den weiblichen Anteil ausmachen. Auf Partys und Festen finden die Fishing Ladies sehr schnell das Thema Angeln und die Bewunderung bei den Herren für dieses Hobby ist Ihnen gewiß. Neben den Ausflügen die Natur zu erleben, haben Sie die Möglichkeit, sich das Abendessen selbst zu besorgen. 
Sollten Sie öfter in die USA reisen, haben Sie Kenntnis über ein Hobby, das dort ganz selbstverständlich von Damen und Herren ausgeübt wird - unabhängig vom Alter. 
Und: treffen Sie Brad Pitt am Schalter des Flughafens, sprechen Sie ihn auf´s Fliegenfischen an - lassen Sie sich von ihm einladen und klären Sie eine Frage erst, wenn der Fisch angebissen hat:  gehen wir zu Dir oder zu mir - in die Küche...

Meike Deutschmann  |  Fliegenfischerin

(* "Aus der Mitte entspringt ein Fluß", Original-Titel: "A River Runs Through It", USA 1992)
 

Beitrag: Meike Deutschmann für www.fliegenfischer-forum.de
Fotos ©: Wolfgang Prims
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