Gerätebesprechung Fliegenschnüre:
Cortland "555" Fliegenschnüre
Cortland’s neue (in 2002) Schnurserie heißt "555". Durch neue Technologien ist es der Firma Cortland gelungen, eine Generation von Fliegenschnüren zu fertigen, die ein neuartiges Taperprofil aufweisen, noch höher schwimmen, noch glatter, härter und langlebiger sind als "frühere" Fliegenleinen. Im Gegensatz zu "normalen" Fliegenschnüren besteht die Seele der 555-Schnüre nicht aus einem Geflecht, sondern aus einem speziellem Hohlkanalsystem, ummantelt von mehreren Kunststoffschichten (siehe Skizze links).
555-Fliegenschnüre sind in doppelt verjüngter Ausführung (DT4F bis DT8F), Länge 27 Meter und hellgelber Farbe, als Keulenschnüre (WF4F bis WF8F), 32 Meter lang und in dunkler, salbeigrüner Färbung, sowie als Clear-Floater (glasklar) in WF4F bis WF8F (Länge 27 Meter) und zum recht stolzem Preis von rund 83,-- EUR zu bekommen. Im Lieferumfang befindet sich ein Loop zur Vorfachmontage.
Für diesen Test standen uns eine DT4F, eine WF5F und eine Clear Floater WF5F zur Verfügung - drei Fliegenschnüre, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, wie sich im Test herausstellte.

„555“ DT4F: Die Schnur hat eine angenehme, gelbe Farbe. Auf der Verpackung ist eine Länge von 27 Metern angegeben, nachgemessen ergaben sich 26,3 Meter. Bereits beim Aufspulen auf die Rolle fällt die relativ hohe Steifheit und die sehr glatte und harte Oberfläche auf.
Aufgrund des Hohlkanalsystems im Inneren der 555 ist die Selbstherstellung einer Schlaufe aus der Schnurseele zur Vorfachmontage nicht möglich. Man verwendet statt dessen entweder den mitgelieferten Loop-Verbinder (inkl. Schrumpfschlauch) oder den guten alten Nagelknoten. Die Loop-Lösung mit dem Schrumpfschlauch, welcher erst am Ende über die Verbindung geschoben wird und dann mit (vorsichtiger) Feuerzeug- behandlung einschrumpft und Druck ausübt, ist sehr angenehm, da hier durch den relativ großen Schlauchdurchmesser einiges am "Pipelei" entfällt.

Tipp: Versiegeln Sie die Fliegenschnurspitze mit einem Tropfen Sekundenkleber, ansonsten besteht die Möglichkeit, daß beim späteren Fischen Wasser in die Kanäle der Schnurspitze eindringt und diese leicht einsinkt.
Auffallend ist übrigens auch, daß alle getesten „555“-Schnüre, vermutlich bedingt durch die „Bauweise“, etwas dicker im Durchmesser sind als „herkömmliche“ Fliegenschnüre. Dies sollte bezüglich der Schnurkapazität verschiedner Fliegenrollen berücksichtigt werden.
Auch ein gewisses Maß an Dehnung läßt sich feststellen: mit leichten aber konstanten Zug lassen sich 100cm Schnur in den Händen ohne Anstrengung auf 103cm dehnen, ein nicht zu unterschätzender Faktor bei größeren, ausgebrachten Leinenlängen.
Nicht bestätigen können wir die von einigen „555“-Schnurnutzern geaüßerten Bedenken, die „555“ wäre besonders knickanfällig. „Normale“ Biegestellen verschwinden meist schnell wieder und man muß der Leine schon richtig wehtun, um einen bleibenden Knickschaden zu hinterlassen.
Beim Werfen und Fischen entpuppt sich die „555“ DT als reines Vergnügen. Besonders Roll- und andere Spezialwürfe machen mit dieser Schnur großen Spaß. Die helle Farbe ist auch noch am späten Abend gut zu sehen, ist jedoch nicht aufdringlich. Selten hatten wir eine Schnur im Test, die so schußfreudig und hochschwimmend war wie diese.
Ein anfänglich vorhandener, geringer Memoryeffekt verschwindet bei normalen Temperaturen schnell nach ein paar Würfen. Anders sieht es bei Temperaturen um 0°Celsius aus: hier bleibt das Kringeln recht hartnäckig und trübt ein wenig die Freude an dieser Schnur. Rollen mit kleinen Spulenkernen unterstützen diesen Effekt zusätzlich, deshalb lautet unsere Empfehlung: wenn möglich, Großkernrollen benutzen. Fassen wir zusammen:
Vorteile:
- sehr glatte Oberfläche
- schußfreudig, hochschwimmend und leicht vom Wasser abzuheben
- angenehme, gut sichtbare Farbe
Nachteile
- hoher Durchmesser (ev. Problem mit Rollenfassungsvermögen)
- recht starker Memoryeffekt
Fazit: Ein feines Schnürchen mit guten Eigenschaften, bestens geeignet für die Fischerei in den feinen Klassen, an Gespließten, „weichen“ Kohlenfaserruten aber natürlich auch allen anderen Fliegenruten, je nach persönlichem Geschmack. Für die winterliche Fischerei jedoch wenig geeignet.
„555“ WF5F: Länge lt. Packung 32 Meter, nachgemessen 31,77 Meter. Diese Leine besitzt zunächst ähnliche Eigenschaften wie die oben beschriebene DT, sie ist sehr glatt und steif, schießt und schwimmt ausgezeichnet. Der Unterschied besteht neben der anderen Einfärbung (graugrün) im Aufbau der Schnur: es handelt sich um eine Cortland- typische „Rocket Taper“ (Langkeule) mit einer anschließenden, dünnen Runningline.
Mit dieser Schnur macht das Werfen noch mehr Spaß als mit der DT, durch die lange Keule klappen Roll- und Trickwürfe ebenso gut wie ausgesprochen weite Würfe. Schußfreudigkeit und Schwimmvermögen lassen keine Wünsche offen. Die unauffällige Tarnfarbe ist ideal für alle Einsatzgebiete, wo es darauf ankommt, sie ist natürlich, gerade im Zwielicht, nicht so gut wahrzunehmen wie die hellgelbe
Farbe der DT. Ob die Unterschiede im Memory durch verschiedene Farbzusätze kommen oder an der Bauart liegen, wir wissen es nicht. Jedenfalls wirkt die WF etwas weicher als die DT und weist, auch an kälteren Tagen, beiweitem nicht ein derartiges Kringeln auf wie diese. Dies macht sie zum guten Kandidaten für die ganzjährige Fischerei. Zusammenfassung: 
Vorteile:
- sehr glatte Oberfläche
- Durchmesser nur unwesentlich stärker als „herkömmliche“ WF Line
- sehr schußfreudig, hochschwimmend und leicht vom Wasser abzuheben
- Langkeule für vielseitige Einsatzbereiche
- gute Tarnfarbe
- geringer bis kein Memoryeffekt
Nachteile:
- keine erkennbar
Fazit: Diese Allroundschnur hat allen Testern am meisten Spaß gemacht, sie ist geeignet für alle Einsatzgebiete und das ganze Jahr und überzeugt auf ganzer Linie. Der Preis ist (wie bei allen 555 Schnüren) recht hoch, der Gegenwert in Sachen Wurfkomfort und Fischervergnügen allerdings auch. Ob sich das rechnet und die Leine, wie versprochen, auch länger hält als andere Fliegenschnüre, wird sich im Langzeittest zeigen.
Als letzte im Bunde haben wir nun noch die „Clear Floater WF5F“. Auf der Verpackung mit 27 Metern angegeben, ergab die Länge nachgemessen 27,5 Meter. Diese Schnur ist komplett glasklar und fast ebenso glatt, hochschwimmend und schußfreudig wie ihre „Kollgen“, was sie ideal für heikle Fischereisituationen und das Anfischen scheuer Fische macht. Sie ist allerdings auch die „drahtigste“ Leine unter den Testkandidaten. Die kalte Jahreszeit und kleine Schnurspulen setzen dieser Schnur so zu, dass die Fischerei dann zum Kringelärger wird. Also klar eine Sommerschnur. Und hier macht die „Clear Floater“ in Sachen Vielseitigkeit und Schattenwurf eine gute Figur. Zusammenfassung:
Vorteile:
- sehr glatt und schußfreudig
- hochschwimmend
- nahezu unsichtbar
- vielseitig durch Langkeule
Nachteile:
- drahtig und kringelanfällig
- deshalb nicht ganzjährig einsetzbar
Fazit: Wer eine solche klare Schwimmschnur sucht, sollte sich diese Leine ruhig anschauen. Unsere Tester lehnten sie jedoch einstimmig ab.
Weitere Infos, Bezug und Kontakt:
Cortland-Schnüre erhalten Sie im Fachhandel. Lieferer an den Handel ist die Firma Exori, welche auch für die HARDY-Vertretung in Deutschland und EXORI-Produkte steht.
Informationen zum nächsten Fachhändler können unter: info@exori.com angefordert werden.
Weitere Informationen erhalten Sie auch im Internet unter: www.exori.de im Internet.
Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos: (C) 2-9:  Michael Müller; 1: Cortland
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.

Verbraucher & Meinungen:
22.02.2003: Hallo! Habe aufgrund einer Fehllieferung vom Online-Händler eine Cortland 555 Clear Floater WF4F erhalten. Ich wollte sie trotzdem einmal ausprobieren und habe sie leider nicht zurückgeschickt. Sie ist, wie im Testbericht beschrieben, enorm drahtig und kringelig. Zwar helfen einige Dehnübungen, aber das macht nicht wirklich Spaß. Hat von Euch jemand gute Erfahrungen mit dieser Schnur gemacht? Gruß Markus/Heiligenstadt
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16.07.2003: Hallo Kollegen, auch ich komme nicht umhin, eine potentielle Kundschaft vor einigem Ärger zu warnen. Die klare Ausführung der 555 ist in der Tat extrem steif und damit
im Handling sehr nervig! Ihren ersten Einsatz hatte die Leine bei Minustemperaturen am See: Trotz Großkernrolle und Dehnen der Schnur war der Memoryeffekt nicht befriedigend auszuschalten und nach Aufspulen auf die Rolle sofort in voller Penetranz wieder da - so ist keine vernünftige Fischerei möglich! Doch selbst bei hochsommerlichen Temperaturen (Luft 35°/Wasser 20°) wird die Schnur nicht wirklich weicher! Es ist immer noch ein deutliches Kringeln zu bemängeln, so dass auch hier noch so mancher Schuss als Spaghetti am Blank
endet. Fazit: Teuer und leider absolut nich empfehlenswert!!!
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03.03.2005: Ich war am 01.03.05 beim Fischen bei Temperaturen zwischen -8 und  ca. -2 Grad. Ich fischte mit einer Cortland 555 WF7F und einer Cortland 444 in DT4F. Dabei ist mir aufgefallen, daß die 444 kaum kringelte, die 555 dagegen schon sehr deutlich und unter anderem auch eher an eine Sinkschnur erinnerte, d.h. begann deutlich abzusaufen. Dabei war die 555 niegelnagelneu. Leider waren meine ursprünglichen Traumkandidaten 444 oder 444SL in WF7F nicht aufzutreiben.. Ich hoffe, dass im Frühjahr und den Rest des Jahres sich die 555 besser verhält… Sebastian Stock
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Gestern (11.03.2006) habe ich mal mein Weihnachtsgeschenk die Cortland 555 in der Stärke WF 7 F ausprobiert. Wie schon befürchtet (leider hatte ich den Test erst NACH dem Kauf gelesen) das gleiche Problem: Trotz Großkernrolle - die Schnur kringelt und Memory ist auch nicht durch Strecken zu beseitigen (Temperatur war bei 5 Grad plus). Was noch nervt: die Schnur schiesst nicht richtig durch die Ringe - meine Rute arbeitet nicht mit der Kringel Schnur (Redington Wayfarer Klasse 6). Und von hoch schwimmend kann auch keine Rede sein. Das einzige was nett ist ist die Farbe. Schade für so viel Geld.  Michael Lederer
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29.03.2006: ...ein Tip noch zur 555 - vor dem Fischen ganz von der Rolle ziehen, ein Kumpel hält das Ende fest und man geht mit dem anderen Ende der Schnur 2 - 3m nach hinten und hält die Schnur ca. 2 min. gespannt. Kein Kringeln, kein Memory - funktioniert echt gut. Gruß aus Hessen, Friedemann Franz
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