Besprechung - Fliegenbinden / Zubehör:
Baker Flyfishing: Baker Fliegenhaken
Bitte auch das Update 09/2007 am Ende des Beitrages beachten (Klick)
Das war zu befürchten: nun hat auch Baker- Flyfishing eine eigene Fliegenhakenserie aufgelegt, um sein ohnehin schon sehr umfangreiches Webshop-Angebot zu komplettieren. Derzeit (09/2006) sind 3 Arten verfügbar (weitere sollen nach und nach kommen): "Trockenfliegenhaken 2x extra fine" (Größen 10 bis 16), "Nassfliegen- bzw. Standartfliegenhaken 2x strong" (Größen 10 und 12 und "Streamerhaken 4xstrong" (Größen 4 bis 8). Die Haken sind aus kohlenstoffreichem Stahl gefertigt, haben chemisch geschärfte Spitzen und 
besitzen ein "Black-Nickel-Finish". Das eigentlich sensationelle an diesen praxistauglichen Gebrauchsfliegenhaken ist der Preis: den 100er Pack Trockenfliegen- und Standarthaken gibt's für 4,90 € und 100 Streamerhaken kosten 5,90 € !!!
Wir haben uns die Haken in den letzten Wochen eingehend angeschaut, um festzustellen, ob sie halten, was sie versprechen. Im Test waren sechs Modelle: 3 "Trockenfliegenhaken", Größen 12 - 14 - 16 und 3 "Streamerhaken, Größen 4 - 6 - 8.
Alle Haken kommen im wiederverschließbaren Kunststofftütchen a. 100 Stück Inhalt. Die Trockenfliegenhaken werden zusätzlich in einer Klarsicht-Klapp-Plastikbox a. 55 x 55 x 15 mm geliefert. Alle Haken wirken bei ersten Biege- und Federtest's sehr stabil - sie federn leicht, kehren aber sofort wieder in die Ausgangsstellung zurück. Die Schärfe ist ausgezeichnet. Die Widerhaken bei den Trockenfliegenhaken sind fein und
lassen sich problemlos andrücken. Bei den Streamerhaken sind die Widerhaken etwas größer ausgelegt, auch hier ist ein Andrücken problemlos möglich, ohne den Haken dabei zu zerstören. Die Ösen sind an allen Haken überdurchschnittlich groß (augenfreundlich...), besonders fällt dies jedoch auch bei den ganz kleinen Haken auf. Alle Ösen sind sauber geschlossen - wie es sein muss ! Die Drahtdicke erscheint uns, speziell bei den Trockenfliegenhaken der kleineren Größen etwas zu hoch, das bringt sehr gute Stabilitäts-Werte, jedoch auch Gewichtsprobleme.
Lesen Sie nun die Einschätzungen unserer Test-Fliegenbinder, die wirklich keine Mühen gescheut haben, diesen Haken einmal so richtig "auf den Zahn zu fühlen"...
"Epilog: Der Alptraum eines jeden Fliegenhakens: Gevatter Fliegenfischer hat mal wieder das Verhältnis von Körpergröße und Wassertiefe falsch eingeschätzt – die unteren Taschen der Weste tauchen kurzzeitig ab und die Fliegendosen werden geflutet. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf: Der zu nächtlicher Stunde völlig abgekämpft heimkehrende Petrijünger hat nur noch die Pflege seines geschundenen Körpers im Sinn, währenddessen sein geliebtes Gerät bis zum nächsten Angelausflug in einer muffligen Ecke vor sich hin möpselt.
Einige Wochen später könnte nur der Donner eines herannahenden Sommergewitters die aus tiefster Seele hervorbrechenden Flüche übertönen, nachdem nervöse Finger in Erwartung maximaler fischereilicher Erfolge endlich mal wieder Licht in die mittlerweile mikroklimatisch eigenständigen Dosen gelassen haben. Kunstvoll hergestellte Nuancierungen in Olive, dreifach lackierte Kopfknoten und was die hohe Bindeschule sonst noch zu bieten hat, wird nun von einer einheitlichen, rötlichbraunen und kratzigen Komponente überschattet: ROST !

Was lernen wir daraus: Auch der friedlichste Haken ist enormen Risiken ausgesetzt! Was lag also näher, die mir von Michael zum Testen übergebene neue Hakenserie das eingangs beschriebene Schicksal im Zeitraffer durchleiden zu lassen um festzustellen, wie das Material den Widrigkeiten der Natur standhält. Die geschilderte Situation lässt sich labortechnisch gut nachbauen. Man benötigt dazu lediglich eine Filmdose aus der vordigitalen Zeit, ein Zellstofftaschentuch, in dem die Haken liebevoll eingewickelt werden, einen Schluck Wasser sowie eine Prise Salz als Beschleuniger. Das Ergebnis nach einer knappen Woche Standzeit brachte ein durchaus passables Ergebnis, denn ungefähr die Hälfte der Haken hatte die Prozedur augenscheinlich schadlos überstanden. Bei den anderen hatte sich überwiegend am Öhr und am Bogen etwas Rost gebildet. Dabei waren keine Unterschiede zwischen den Trocken- und Streamerhaken festzustellen. Aus meiner Sicht wäre nur bei ausgesprochenen Salzwasserhaken ein besseres Ergebnis zu erwarten gewesen.

Nun zu den Fakten: Der erste optische Eindruck ist gut. Die Beschichtung (Nickel, Chrom ?) erscheint metallisch mittel bis dunkel glänzend, wobei man das Gefühl hat, dass diese bei einzelnen Haken etwas variiert. Die Haken sind nicht geschränkt; lediglich das Öhr ist leicht nach unten abgeknickt. Der Hakenbogen ist sauber als Rundbogen ausgeformt. Der Querschnitt ist über die gesamte Länge kreisrund ausgeführt.
Die Hakenspitze ist symmetrisch verjüngt und ausreichend spitz, so dass sie sich ohne großen Kraftaufwand in einem Fingernagel fixieren lässt. Der Widerhaken ist scharfkantig aufstehend, lässt sich aber komplett andrücken (Wollpullover-Test bestanden) ohne dabei abzubrechen.

Der eingespannte Haken federt beim seitlichen Verbiegen mit dem bekannten Surren in seine Ausgangslage zurück. Ab einem gewissen Punkt lässt er sich dann in alle Richtungen verbiegen. Dies kann man beliebig oft praktizieren, ohne dass der Haken dabei bricht (lediglich die Beschichtung platzt ab). Da man dazu nicht besonders viel Kraft aufwenden muss, ist offensichtlich ein verhältnismäßig weiches, aber biegezähes Material zum Einsatz gekommen. Das sollte man insbesondere bei den großen Streamerhaken und den damit anzufischenden Ziel-(Traum-)fischen nicht vergessen !
Die Öhre sind recht sauber gearbeitet. Unter der Lupe erscheint die Trennstelle etwas kantig, jedoch ohne scharfe Ecken. Bei allen Haken war das Öhr gut geschlossen. Der Bindefaden in der Stärke 0/8 fand bei keinem der untersuchten Haken eine Lücke zum Durchschlüpfen.
Die „Trockenfliegenhaken“ überraschten mich insbesondere aufgrund ihrer Materialstärke doch schon etwas. Leider standen mir nicht die notwendigen Präzisionsmessgeräte zur Verfügen, um meine persönliche Eindrücke exakt mit Zahlen untersetzen zu können. Aber rein optisch kommen Haken anderer Hersteller mit deutlich geringeren Materialquerschnitten aus. Regelrecht fasziniert hat mich der Öhrdurchmesser des 16-er Hakens. Üblichweise hat man bei dieser Größe mit einer 0,14-er Vorfachspitze schon ganz schön zu fummeln. Bei dem Testmodell hingegen flutschte ein 0,40 Monofil ohne jegliche Mühe hinein. Es ist also zu vermuten, dass es einiger Hechelwindungen bedarf, um das Teilchen zum Schwimmen zu bringen.
Vorschlag zur Güte: Die Bezeichnung „Allround-Haken“ kommt der Sache auf jeden Fall etwas näher (Tipp: Da das Öhr des 16-er Hakens sogar einen mittelgroßen Goldkopf sicher fixiert, ohne dass dabei die Öffnung verdeckt wird, lassen sich super Mini-Nymphen herstellen.).
Resümee: Vergleicht man die getesteten Modelle mit dem, was gegenwärtig auf dem Markt zu haben ist, liegen diese sicherlich im guten Mittelfeld. Ihre Grenzen haben die Haken eindeutig in den Extrembereichen, was sowohl die Leichtigkeit bei den kleinen Trockenen, als auch die Standfestigkeit bei den Großen betrifft.
Für den preisbewussten Fliegenbinder mit hohen Produktionszahlen stellen sie aber eine unschlagbare Alternative dar, da ein Preis von weniger als 5,00 EUR für die 100-er Packung wie ein (Angler-) Märchen aus längst vergangenen Zeiten klingt und die eine oder andere Schwäche vergessen lässt.
Stefan Beier, Bad Berka"
***
Update 09/2007: "Fliegenhaken-Multibox / 400pc Hook Sampler": Seit Sommer 2007 gibt es nun auch die geballte Ladung BAKER Fliegenhaken in Form einer Multibox. Die 10 x 6 x 1,3 cm große Box mit 8 klappdeckel- bestückten Fächern enthält 50 feindrahtige Trockenfliegenhaken je Gr.10, 12, 14, 16;  50 Bachflohkrebshaken je Gr. 10 und 12;  50 schwere Nassfliegenhaken Gr. 10 und 50 gebogene Streamerhaken Gr. 8. Insgesamt also 400 Haken. 
Bei der neuen Hakenserie fanden auch einige Kritikpunkte aus unserem obigen Testbericht Berücksichtigung. Die Trockenfliegenhaken sind nunmehr deutlich feiner und leichter, das Öhr nicht mehr ganz so groß und auch besser geschlossen. Darüber hinaus wurden relativ offene Buckelhaken und eine zusätzliche Variante Streamerhaken ins Programm aufgenommen. Die bronzefarbenen Haken sind durch eine feine, dunkle Farbschicht überzogen, was lt. Anbieter für einen zusätzlichen Schutz und ein matt glänzendes Aussehen sorgt. Die Multibox selbst macht einen stabilen Eindruck. Deren 8 Sortierfächer sind jeweils mit einzelnen Deckeln mit Einrastverschlüssen versehen und gewährleisten somit eine sichere und ordentliche Aufbewahrungsmöglichkeit, und dies auf kleinstmöglichstem Raum.
Unser Eindruck zu den Haken: die Hakenbeschaffenheit, Drahtstärke, Härte, Schärfe, Widerhaken sind größtenteils in Ordnung und dem jeweiligen Hakentypus angemessen. Die Öhre sind passend dimensioniert und gut geschlossen. Insgesamt rund 10% Prozent der Haken zeigen Abweichungen, wie eine rauhe Oberflächenbeschaffenheit, Biegeform fehlerhaft, mangelnde Härte und fehlerhafter Öhr-Zustand - sind also nicht zu gebrauchen. Der Inhaber von Baker Flyfishing, mit dem wir über diese Details sprachen, nimmt diese Kritik nicht auf die leichte Schulter, sondern bewies bereits Rückgrat und legt nun jeder Lieferung dieser Charge kostenlos 30 bis 50 Haken aus der früheren Charge als Ersatz für eventuellen Ausschuss bei.
Fazit: Ein preisgünstiges und praxistaugliches Hakensortiment (19,99 EURO pro Multibox) und eine Alternative für Fliegenbinder, die einen guten Kompromiss in Sachen Preis-/Leistung suchen.
Bezug: Baker Flyfishing, Minkweg 12, D-47803 Krefeld, E-Mail: info@baker-flyfishing.com, Web und Onlineshop: www.baker-flyfishing.com
Testbericht: www.fliegenfischer-forum.de
Fotos (C): 1-3: Michael Müller | 4: Stefan Beier
Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist nicht gestattet.

Zurück zur Übersicht Zubehör  | Zurück zu Gerätetest  |  Zurück zur Startseite